128
Die instrumentellen Grundlagen.
Um nochmals auf die Bezifferungsrichtung der Kompaßstunden zurückzukommen, so sei kurz festgehalten, daß bei Kompassen mit beweglichem Zeiger die Teilung mit dem Uhrzeiger lief, bei Kompassen mit festem Zeiger jedoch die Bezifferung entgegengesetzt dem Uhrzeiger angebracht werden mußte, um eine richtige Ablesung zu ermöglichen. Schinzeuge mit Setzkompassen mußten daher rechtsinnische Bezifferung, Hängekompasse z. B. dagegen widersinnische Bezifferung aufweisen.
Der Vollständigkeit halber wäre noch bei der Winkeleinteilung in „Stunden“ die Unterscheidung in „Bergstlinden“ und „wahre Stunden“ zu erwähnen. Unter Bergstunden verstand man im 17. und 18. Jahrhundert die vom Kompaß unmittelbar erfolgte Ablesung der Winkel in Stunden und Minuten, unter „wahrer Stunde“ dagegen den unter Berücksichtigung der Mißweisung errechneten Winkel oder das nicht mehr magnetisch, sondern astronomisch orientierte Streichen einer Lagerstätte.
b) Halbstunden.
Der Kreisumfang wird in 48 gleiche Teile geteilt. Die Bezifferung kann durchlaufend von 1 bis 48 oder in 4x12 „Halbstunden“ erfolgen.
Bei der Betrachtung der Schinzeuge stieß ich auf die verwunderliche Tatsache, daß — mit einer einzigen Ausnahme — der Höhenkreis sämtlicher Schinzeuge nicht „Normalstunden“ in Einteilung und Bezifferung, sondern eine doppelt kleinere Winkelteilung auf weist, die ich daher sinngemäß „Halbstunden“ nenne. Die Bezifferung des Halbkreises ist meist, an der Waagrechten mit Null beginnend, in 2x12 Halbstunden vorgenommen, eine Unterteilung der Halbstunde in 4 oder 8 Teile ist ebenfalls üblich. Erstmalig tritt uns diese „Halbstundenteilung“ bei den beiden ältesten, aus der ersten Hälfte des Iß. Jahrhunderts stammenden Schinzeugen mit dem gotischen Senkelkäfig (Bild 28 u. 29) entgegen. Die Teilung ist also sehr alt. Auch die aus dem Jahre 1541 stammende Neudorfer Wachsscheibe 1 (Bild 9) ist in 48 (allerdings unbezifferte) Teile geteilt. Unter den mir bekanntgewordenen Setzkompässen weist nur ein einziger, zur Schinzeugmessung dienender Einbussolenkompaß aus Hall in Tirol eine Teilung des Kreisumfanges in 48 „Halbstunden“ auf. Es ist somit ersichtlich, daß zur Zeit der Schinzeuge hauptsächlich nur Höhenwinkel mit „Halbstunden“, ab und zu jedoch auch Lagewinkel mit dieser Winkelteilung benannt und gemessen wurden. Als Grund der verschiedenen Winkelmaße (Lagewinkel in „Normalstunden“,
lidjtgeredjtn baud bis aufu tr»c<jfl ber affter fdxadjtridjt bie lemtg nont tnunblodx bis auf bie (Erft aufs3tedjftat bo aiit fdxurff angefangtt foil rnerbn im Fayferl. rnarimiltanfperg brinngt 79 ftabl
Don gemeltter aufs3iedxftat anfanng bcs erftext Kfyent 3 m toifperg bie leuug 68 ftabl
Don Knfanng Kerns 3U111 rnegfl ber Koler fdjadjtridjt taillt fid? auf bie Hedxt fjaunbt bie lemtg 27 ftabl
Dom tuegfl ber Koler fdjadjtridxt aufit rnegfl ber affter fdjad?tridjt taillt fidj auf bie tennfb bannbt. 3 f* baregegen ober ber gruabofn ber 3 un flif ratr) bat» bie lenng ftabl
(Seft ber gemeltt gruebofn §t»erdjs »on ber fdjadjtrid\t fjmbait auf bie KedJ tfanbt ftabl
Anmerkung: Die Alten schrieben, wie aus Bild 96 ersichtlich, „stähl“ statt „stahl“, das ä wurde jedoch wie helles a ausgesprochen; „tliennkh lianndt“ = linke Hand.
1 F. Kirnbauer, Wachsseheibenmethode, 1. c. 9. W. Nehm, Markscheidewesen aus dem Harz, 1. c., 8. 40. 1934.