W inkelteilungen.
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Höhenwinkel in „Halbstunden“) dürfte meines Erachtens nur das Bestreben, eine Unterscheidung bereits in der „sprachlichen“ Benennung zwischen Lage- und Höhenwinkeln zu besitzen, anzunehmen sein.
c) Doppelstunden.
Als Gegenteil der Halbstunden müssen die „Doppelstunden“ aufgefaßt werden. Der Kreis ist hier in 12 gleiche Teile geteilt. Die „Doppelstunden“ treten uns im deutschen Markscheidewesen nur einmal entgegen, nämlich als Kreisteilung an der aus dem Jahre 1779 stammenden ZoLLMANNschen Scheibe. 1 Die „ZoLLMANNsche Scheibe für Markscheiderei“ ist ein aus Deutschböhmen stammendes Visierinstrument. Der Vorteil der Kreisteilung in „Doppelstunden“ ist nicht erkennbar.
d) ,,Kleine Stunden“.
Änlich wie auf dem Gebiete der Längenmaße, wo im ausgehenden Mittel- alter und zu Beginn der Neuzeit jedes Land und fast jede größere Stadt Mitteleuropas eigene Größen und Benennungen aufwiesen, muß es auch auf dem Gebiet des Markscheidewesens bestellt gewesen sein. Nicht nur die einzelnen „Lachter“ und „Klafter“ eines Bergreviers waren untereinander verschieden — anders im Harz als im Erzgebirge, wieder anders im Salzkammergut als in Tirol —, auch die Winkelteilungen muß sich zu damaliger Zeit oft ein Markscheider selbst an seinem Schinzeug ausgedacht haben. So weist nämlich unter den zahlreichen mir bekanntgewordenen Schinzeugen nur ein einziges, aus Aussee aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammendes Schinzeug 2 eine Höhenkreisteilung auf, die, da der Kreis in 36 gleiche Teile geteilt ist, am besten Teilung in „Kleine Stunden“ genannt werden muß. Es ist selbstverständlich kein Vorteil in dieser Art von Höhenkreisteilung eines Schin- zeuges zu erkennen, sie kann, wie im vorhergehenden gesagt wurde, nur auf die im Maßwesen zu damaliger Zeit im allgemeinen herrschende Anarchie und die ziemlich klar erkennbare Absicht der alten österreichischen Markscheider, eine Unterscheidung zwischen den Maßen der Lage- und Höhenwinkel zu schaffen, zurückgeführt werden.
e) „Sonderstunden“.
Dieser Name ist nötig für Stunden, bei denen der Kreis in 32 Teile geteilt ist. Diese Teilung ist sehr selten, muß aber immerhin in einzelnen Bergbaurevieren durch längere Zeit hindurch gebräuchlich gewesen sein, da mir auch eine Winkelscheibe (Bild 97) mit dieser Teilung, die ich „Sonderstunden“ zum Zweck der Unterscheidung von den vorher besprochenen „Stundenteilungen“ nenne, bekannt ist. 3 „
1 Technisches Museum Wien. Inv.-Nr. 9670.
ä Auf einer Zeichnung Riedls, Blatt 6.
3 Lehrkanzel für Markscheidekunde, Leoben, Inv.-Nr. C 61.
Geschichte der Technik, 7. Heft. 9
Bild 97. Halbkreis-Winkelscheibe aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Teilung des Halbkreises in 12 (Normal ) Stunden und 16 Sonderstunden.
( s h o der nat. Größe.)