Zusammenfassung.
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Form zu bezeichnen ist, sind von dieser Zeit ab bis etwa 1740 in markscheide- rischer Verwendung.
2. Einfache Wachsscheiben konnten bisher für alpenländische Bergbaue nicht nachgewiesen werden. Dagegen finden sich ein Wachsscheibenkompaß mit Wasserbussole im Schwazer Bergbuch (1556) abgebildet und weiters sind Wachsscheibenkompasse im Salzkammergut als „Scheiblingkompaß“ um 1650 und 1669 in Oberösterreich, Kompasse mit Wachsringen in Form des Alpenkompasses Agri- COLAs bekannt.
3. Ein Hängekompaß in rechteckiger Einschlußform tritt in Österreich bereits im Jahre 1611 auf, also 22 Jahre vor Balthasar Rösslers Hängekompaß. Die Hängekompasse nehmen in Deutschösterreich eine ganz selbständige, vom Altreich verschiedene Entwicklungsreihe ein. Zahlreiche beachtenswerte Erstnachweise von wertvollen alpenländischen Hängekompassen werden gegeben.
4. Die erste Klemmvorrichtung an einem Kompaß wird für Deutschösterreich nachgewiesen (Eisenerzer Kompaß aus der Zeit um 1650).
5. Es werden zahlreiche ältere, im alpinen Salzbergbau in Verwendung gestandene Markscheiderinstrumente erstmalig beschrieben und zeichnerisch dargestellt.
6. Es werden weiters erstmalig Nachweise über sieben verschiedene, bisher völlig unbekannte Kreisteilungen, die im alten österreichischen Markscheidewesen in Gebrauch waren, erbracht.
7. Das älteste Gr üben signal und damit die älteste Zwangszentrierung werden für Deutschösterreich nachgewiesen und stammen aus der Zeit um 1750.
8. Zahlreiche Markscheiderinstrumente, wie Schinzeug, Eisenscheiben, Höhenscheiben und Astrolabien, werden erstmalig zeichnerisch dargestellt oder abgebildet nnd beschrieben. Mehrfache Hinweise und Aufschlüsse über die Tätigkeit und kulturelle Stellung der alten Markscheider im österreichischen Bergwesen werden gegeben. Daß die Alten auch gute Beobachter waren, geht daraus hervor, daß der Markscheider Ambrosius Hatnz den ersten Hinweis auf tektonische Verhältnisse auf seiner Grakofl-Grubenkarte im Jahre 1577 anbringt.
9. Eine Aufstellung einer Liste von 29 Namen oder Namensanfangsbuchstaben österreichischer Verfertiger von Grubenkompassen, Schinzeugen und anderen Markscheiderinstrumenten vervollständigt das Bild der Entwicklung des Markscheidewesens in Deutsch Österreich vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
So hoffe ich denn, einen Einblick in die geistige und handwerkliche Werkstatt der alten deutschösterreichischen Markscheider gegeben und mit ihm eine Verbindung aus der Geschichte der Markscheidekunst zum neu- zeitigen Markscheidewesen geschaffen zu haben. Wir deutschen Bergleute und Markscheider von heute können mit Genugtuung auf unsere Berufsgenossen in den verflossenen fünf Jahrhunderten zurückblicken. Wir können mit Freude und müssen mit Achtung auf ihre Leistungen sehen, die ganz wesentlich mit dazu beigetragen haben zum Blühen' und an der Entwicklung des deutschösterreichischen Bergbaus.
500 Jahre sind in der Geschichte einer Wissenschaft eine lange Zeit! Ganze Markscheider-Generationen kamen und gingen! — Kunst kommt von Können.
Geschichte der Technik, 7. Heft.
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