Heft 
1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen

144

Zusammenfassung.

erwähnten und aufgezählten zehnMarkscheiderischen Entwicklungs­reihen entstanden (S. 40, 62, 69, 73, 83, 98, 102, 105, 124, 126), die, fast möchte ich sagen, eine biologische Entwicklung, das Wachsen und Werden unserer Markscheiderinstrumente, wie es im Verlauf von Jahrzehnten und Jahr­hunderten stattgefunden hat, ersehen lassen. Stets und von allem Anbeginn an war im Markscheidewesen wie in der Technik überhaupt das Bestreben vorhanden, Messungsgenauigkeit und Meßverfahren zu verbessern oder mit anderen Worten, den Wirkungsgrad zu erhöhen. Diese Bemühung nach Vervollkommnung liegt dem Menschen im Blut und zeigt sich gleichermaßen am einfachsten und am höchst­entwickelten Präzisionsinstrument. Ich habe daher den Versuch unternommen, meine Arbeit mit einerStammbaummäßigen Darstellung der Ent­wicklung der Markscheiderinstrumente und -geräte abzuschließen (Beilage II). Diese Zusammenstellung konnte sich auf keinerlei wie immer geartete Vorbilder stützen. Es ist selbstverständlich, daß bei dieser stammbaummäßigen Darstellung der Entwicklung der Markscheiderinstrumente nicht die deutsch- österreichische allein, sondern die gesamtdeutsche Entwicklung berücksichtigt und erfaßt wurde. Wir Ostmärker können aber mit Stolz auf den bedeutenden Anteil hinweisen, welchen der deutschösterreichischeBergbau und das deutsch­österreichische Markscheidewesen an dieser gesamtdeutschen Entwicklung ge­nommen haben.

Durch verschiedene ausgezeichnete Arbeiten von W. Nehm und K. Lüdemann sind die geschichtlichen Verhältnisse des Markscheidewesens auf dem Harz und im Sächsischen Erzgebirge in den letzten Jahren unserer Zeit nahegebracht worden. Wenn wir nun die Verhältnisse aus den klassischen Stätten des Bergbaus, dem Harz und dem Erzgebirge, mit dem gesamten bergbaulichen, markscheiderischen und kulturellen Wertgut der österreichischen Alpenländer vergleichen, so sind wir vor allem erstaunt über die Fülle, über das hohe Alter und über die hohe Kultur des sich uns Darbietenden! Das Bergwesen und Markscheidewesen Österreichs im ausgehenden Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit kann ruhig einen Vergleich mit anderen deutschen Bergbaugebieten aushalten, ja, es war sogar in vielen Be­ziehungen führend. In manchen wiederum waren auch die Umstände günstiger für die Erhaltung gewisser bergbaugeschichtlicher Gegenstände, Akten oder Instrumente. Die Spuren des Dreißigjährigen Krieges und anderer Ereignisse scheinen an unseren stillen Alpentälern und ihren Bergbauen milder vorübergegangen zu sein als im Harz oder im Sächsisch-böhmischen Erzgebirge. Es kann somit hier erstmalig aus­gesprochen werden, daß vom geschichtlichen Standpunkt aus die österreichischen Überlieferungen im Verhältnis zu anderen Bergbaugebieten die geschlossensten sind.

Endlich möchte ich nun noch kurz auf die Zusammenfassung der haupt­sächlichsten Ergebnisse meiner Untersuchung eingehen, die da lauten:

1. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts sind Setzkompaß und Schinzeug in Tirol und im Salzkammergut schon in Gebrauch.

Schinzeug und Einbussolenkompaß waren von etwa 1520 bis 1600, Schinzeug und Zweibussolenkompaß von 1600 bis 1680 in Deutschösterreich in Gebrauch. Schinzeuge mit seitlich angebrachter Bussole, die als Schemnitzer oder Hallstätter