Aufsatz 
Ludwig Erhard / von Karl Holey
Entstehung
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Ludwig Erhard.

Dr. Alexander Erhard, begann dort seine ärztliche Tätigkeit und verbrachte in dem alten Schloß die Zeit von 1856 bis 1866, um dann in seine Heimatstadt Passau zurückzukehren. Dort war die väterliche Familie seit der Mitte des 18. Jahr­hunderts ansässig, seit Lorenz Erhard aus Schwaben zugewandert und als Hof­friseur des Passauer Erzbischofs eine angesehene Stellung als Bürger und Haus­besitzer eingenommen hatte. Seine Frau, eine Passauer Goldschmiedstochter, gebar ihm acht Kinder und einer der Söhne, der im Jahre 1775 geborene Michael, ist der erste in einer längeren Reihe von Ärzten. Dr. Michael war anfänglich Landgerichtsarzt in Ried im Innkreis, heiratete die Tochter des fürstbischöflichen Leibarztes Dr. A. Bauer in Passau und starb dort 1806 als Stadtphysikus.

Sein Sohn, Dr. Alexander Erhard, geboren 1801, studierte an den Universi­täten Landshut, München, Wien, Berlin und Prag, übte seinen Beruf in Passau aus und starb dort als Amtsarzt 1874. Er war nicht nur ein guter und sozial denken­der Arzt, sondern hatte auch einen besonderen Hang für die schönen Künste, er war ein geschickter Zeichner und Maler, der mit Vorliebe die landschaftlichen Schön­heiten des bayrischen Waldes und der Alpen weit schilderte und war ein guter Musiker. Seine Liebe zur bildenden Kunst äußerte sich auch in der Begründung des Nieder­bayrischen Kunstvereines. Besonders ausgeprägt war seine Heimatliebe in Ver­bindung mit historischen Studien zur Geschichte seiner Vaterstadt. Seine Fuß­wanderungen führten ihn bis nach Genua. In den Jahren 1862 bis 1864 erschien seineGeschichte der Stadt Passau, die heute noch als bedeutendes Geschichts­werk gilt.

Die Neigungen des Vaters, aus dessen Ehe mit der Tochter des Rechnungs- rates Höss in Linz zwölf Kinder hervorgingen, 1 übertrug sich auf seinen 1830 in Passau geborenen Sohn gleichen Namens. Dr. Alexander Erhard d. J., der Vater Ludwig Erhards, hatte den gleichen Wandertrieb und studierte an den Universitäten München, Würzburg und Prag. Als junger Student nahm er lebhaften Anteil an der großdeutschen freiheitlichen Bewegung des Jahres 1848, deren Idealen er sein ganzes Leben lang treu blieb, und die großdeutsche Gesinnung übertrug er auch auf seinen Sohn Ludwig. Aus München, wo er 1855 promovierte, holte er seine Gattin Louise, die Tochter des Universitätsprofessors Lang, und zog 1856 mit ihr nach Aicha vorm Walde, wo ihm zwei Söhne geboren wurden, von denen der ältere früh starb, der jüngere ist Ludwig Erhard. Mit ihm erlischt der Kinder­reichtum der ERHARDschen Familie. Von 1866 an ist Alexander Erhard d. J., so wie sein Vater, Seminararzt und leitender Arzt des Städtischen Krankenhauses in Passau. Seine Zeitgenossen rühmen sein berufsfreudiges ärztliches Wirken und sein werktätiges Menschentum. Frühzeitig teilte er die Neigung des Vaters für geschichtliche und heimatkundliche Forschungsarbeit. Er rekonstruierte einen Plan der Stadt Passau zu Anfang des Jahrtausends, der mit einer ortskundlichen Abhand­lung dem Archiv der Stadt Passau ein verleibt wurde. Noch als junger Arzt in Aicha vorm Walde beginnt er Material zu sammeln für eine Geschichte und Topographie der Umgebung von Passau, deren vollständige Veröffentlichung er nicht erleben sollte. Er starb 1899 in Passau, und in den Jahren 1899 bis 1905 erschien in vier

1 Aus der Ehe einer seiner Töchter, Antonie mit Josef Haas, stammen zehn Kinder.