Aufsatz 
Ludwig Erhard / von Karl Holey
Entstehung
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Ludwig Erhard.

Bänden das bei seinem Tode druckfertig vorliegende Werk. 1 Freundschaft verband ihn mit einem namhaften Geschichtsforscher seiner engeren Heimat, mit dem Gelehrten Konrad Meindl, dem Propst des Augustinerchorherrenstiftes Reichers- berg am Inn.

Seine Gattin Louise starb 1905 im Alter von 70 Jahren in Passau. Sie teilte die Liebe ihres Mannes für Kunst und Geschichtswissenschaften und zur Natur. Sie war, wie die Männer aus dem Hause Erhard, reiselustig und hielt sich mit Vor­liebe in Italien und in den südlichen Provinzen Österreichs auf.

So schien auch des jungen Ludwigs Lebensweg vorbestimmt, als er seine Studien an dem Gymnasium seiner Vaterstadt Passau begann. Die humanistische Bildung und die logische Schulung verleugnen seine späteren Arbeiten nicht. Als er sich aber entscheiden mußte, ob er dem Beruf seiner Vorfahren treu bleiben sollte, kam der nach Betätigung auf neuen Bahnen drängende Wille des Jünglings mit aller Entschlossenheit zum Durchbruch. Der Aufstieg, den die Technik genommen hatte, besonders auf dem mechanischen und maschinenbautechnischen Gebiete, hatte einen so starken Eindruck auf ihn gemacht, daß er, allen Widerständen zum Trotz, Techniker, Ingenieur werden wollte. Dieser Bruch mit einer alten Familien­überlieferung wurde vom Vater und von seinen Erziehern nicht gern gesehen und besonders der Rektor des Gymnasiums in Passau suchte ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Beim Abschied faßte er seine aufrichtige Sorge in die Befürchtung zusammen: ,,Sie werden wie ein Schiff ohne Mast und Segel im Ozean des Lebens treiben. Aber gerade in den Ozean des vollen, wirklichen Lebens wollte der junge Student, und wo bot sich ihm bessere weltumfassende Gelegenheit als in der Technik. Sein Vater, eine gütige und einsichtsvolle Natur, sah ein, daß er dem jungen, starken und ernsten Willen nicht entgegenstehen durfte und gab schweren Herzens seine Einwilligung.

Im Jahre 1881 bezog Ludwig Erhard die mechanisch-technische Abteilung der Technischen Hochschule in München. Der Beruf des Vaters und dessen historische Neigungen mögen mitgewirkt haben, als der junge Student der Technik neben seinem eigentlichen Hauptstudium auch medizinische und kunsthistorische Vorlesungen an der Universität hörte. Die geheimnisvollen Vorgänge des Lebens, die biologischen Wissenschaften zogen ihn besonders an, und ein Lieblingsgedanke seiner späteren Zeit mag eine Folge der Münchener Studien sein, der Aufbau einer Biologie der Technik. Seine sinnenfrohe Art nahm lebhaften Anteil an allen Fragen der Kunst, die gerade in München das Leben der Stadt bewegten. Es ist die Blütezeit der neueren Münchener Kunst, die großen Meister Lenbach, Defregger, Böcklin, Grützner und vor allem Leibl, der urbayrische Realist, standen im Höhepunkt ihres Schaffens und die erste Sezession bereitete sich vor. Von den großen Neubauten der Stadt war das gotische Rathaus von Hauberisser im Werden, das auf ihn einen starken

1Geschichte und Topographie der Umgehung von Passau. Landshut 18991905. ln der Einleitung zur ersten Fortsetzung vom Jahre 1900 ist eine kurze Lebensbeschrei­bung des Verfassers enthalten, der die angeführten Angaben entnommen sind. Über die Geschichte der Familie Erhard siehe ferner Max Peinkofer,Ein kleines Denkmal für die Familie Erhard in:Heimatglocken, Beilage der Donau-Zeitung, Passau, 9. Juli 1936.