Nachwort über die Brüder Dirmoser.
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Auch das alte Österreich konnte auf seine geschütztechnischen Leistungen unter dem vorletzten k. u. k. Kriegsminister, dem Artilleristen Dr. Ing. h. c. Alexander Freiherrn von Krobatin mit Stolz zurückblicken. Jahrzehntelange, einzig durch die Schuld der Volksvertretungen entstandene Versäumnisse mußten nachgeholt werden, die eine nahezu vollständige Umbewaffnung der Artillerie während des Weltkrieges zur unbedingten Notwendigkeit machten. Fast alle vorhandenen Geschütztypen mußten durch neue, leistungsfähigere ersetzt werden, und was damals in den von Emil Ritter von Skoda (Bild 22) gegründeten Skodawerken unter seinem Sohne Dr. Ing. h. c. Karl Freiherrn von Skoda (Bild 23) in Zusammenarbeit mit den Herren des technischen Militärkomitees geleistet wurde, steht heute noch in allgemeiner Erinnerung. Die Giganten unter der großen Zahl der neu erzeugten Geschütztypen, 38 cm- und 42 cm-Haubitzen (Bild 24) und die 30,5 cin-Mörser (Bild 25) haben den Schrecken unserer Feinde gebildet und werden für immer Meisterstücke der Geschützbaukunst bleiben.
Nachwort über die Brüder Dirmoser.
Von
Generalmajor a. D. Ing. Artur Reutter Edler von Vallone.
An der erfolgreichen Frühjahrsoffensive an der tiroler Front im Jahre 1916 haben neben einer sehr großen Anzahl von schweren Geschützen viele 30,5 cm- Mörser, drei 42 cm-Haubitzen und zum ersten Male auch zwei 38 cm M 16 Haubitzen sowie eine 35 cm L/45 weittragende Kanone teilgenommen, durchwegs Geschütze, welche mit dem Namen „Dirmoser“ auf das engste verknüpft sind. Es möge daher an dieser Stelle zweier Männer gedacht werden, die durch ihre Arbeiten mittelbar zum Gelingen dieser Offensive beigetragen haben, des Konstrukteurs der schweren und schwersten Fernkampfartillerie Dr. techn. h. c. Richard Dirmoser und seines jüngeren Bruders, des ehemaligen Direktors der Waffenfabrik der Skoda werke, Dr. techn. Oswald Dirmoser, die beide sich ihre ersten artilleristischen Kenntnisse anläßlich der Ableistung ihrer Militärdienstpflicht als Einj ährigfreiwillige der Feldartillerie erworben haben und in ihren späteren Arbeiten sich sehr vorteilhaft ergänzten.
Der ältere, Dr. Richard Dirmoser (geb. Brünn 1872, gest. Pilsen 1919) (Bild 26), ging aus der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn hervor und stand zunächst im Dampfmaschinenbau bei der Ersten Brünner Maschinenfabrik-A. G. in Verwendung. Nach vierjähriger Praxis auf diesem Gebiete trat er im Jahre 1900, noch unter dem Begründer der Skoda-Werke, Emil Ritter von Skoda (Bild 22), zur Waffenfabrik Pilsen über, in der er bis zu seinem Ableben als Ingenieur, Oberingenieur, Bürovorstand und schließlich Chefkonstrukteur tätig war. An der Durchführung der Konstruktion der bekannten 30,5 cm Mil Mörser, die den Weltruf der Skoda-Werke begründeten, hatte Dirmoser großen Anteil. Die Konstruktions- bedingungen für dieses Geschütz, die bereits im Jahre 1907 vom Technischen Militärkomitee auf gestellt worden waren, forderten ein schweres, auf Straßen leicht und