Aufsatz 
Ludwig Erhard / von Karl Holey
Entstehung
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Lun win Erhard.

umfaßte Bildnisse und Aufzeichnungen von Männern der Technik, fachliche Ent­würfe, Privilegien, Patente und Druckwerke, ferner Miniaturen und Codices, die auf den hohen Stand des Berg- und Hüttenwesens zu Ende des Mittelalters und am Beginne der Neuzeit hinwiesen, sowie wertvolle Druckwerke, die sich auf die Technik der folgenden Jahrhunderte bezogen. Kleinkunstwerke, Modelle und Erinnerungs­zeichen waren hier zwischen Handschriften, Handzeichnungen, Büchern und Bildern verteilt, um zu jenen Schaustücken des 19. Jahrhunderts hinüberzuleiten, die be­sonders die Entwicklung des Eisenbahnwesens in den Alpenländern und der Schiff­fahrt auf der Donau zur Darstellung brachten. Einige Beispiele von Spitzenleistungen der neuzeitigen Technik in Österreich führten endlich den Beschauer bis zu den Tagen der Gegenwart und zeigten ihm die geistigen Grundlagen des technischen Geschehens, das das Leben unseres Alltags durchflutet. 1

Bei der Eröffnung der Ausstellung begrüßte der damalige Unterrichtsminister Univ.-Prof. Dr. Heinrich Ritter von Srbik die Gründung eines Forschungs­instituts für Geschichte der Technik in einer an tiefen Gedanken reichen Ansprache überDie Kulturverbundenheit der Technik. 2 Er wies auf die unlösbare Ver­klammerung der technischen Kultur mit den anderen Kultur bereichen geistiger, sozialer und materieller Natur hin und betonte dieBeseeltheit der technischen Schöpfung durch den Geist des schaffenden Einzelmenschen. Die warme Auf­nahme des Planes zur Gründung des Forschungsinstituts durch die Regierung gipfelte in einer Erklärung des Bundespräsidenten W. Miklas, der bei der Begrüßungs­feier im Großen Musikvereinssaal die Bereitwilligkeit der Regierung zur Gewährung eines Bestandbeitrages für das Jahr 1931 erklärte. Das Kuratorium des Technischen Museums hatte schon im Jahre 1930 der räumlichen Angliederung des Instituts an das Museum zugestimmt, setzte einen Arbeitsausschuß unter dem Vorsitz Exners ein und bestellte Erhard zum ehrenamtlichen Leiter.

Bald nach der ersten Sitzung des Arbeitsausschusses am 7. März 1931 starb Exner am 24. Mai 1931, 91 Jahre alt, nachdem er allen Mitarbeitern die Pflege des Forschungsinstituts als seinen letzten Wunsch und Willen ans Herz gelegt hatte. In der nächsten Sitzung am 8. Juni 1931 wurde der bisherige Stellvertreter des Vorsitzenden, Prof. Dr. K. Holey, zum Vorsitzenden, Unterstaatssekretär Dipl.-Ing. B. Enderes zum Stellvertreter und der ehrenamtliche Institutsleiter L. Erhard zum Referenten gewählt. Dem Ausschuß gehörten außerdem 18 Vertreter von Behörden, Hochschulen, gelehrten Körperschaften, Museen und Vereinen an.

Die Aufgaben sind in den Satzungen wie folgt angeführt:

,,§3 (1) Das Institut hat die Geschichtsforschung auf technischem Gebiet unter besonderer Berücksichtigung der technischen Kultur Österreichs zu pflegen.

(2) Zu diesem Behufe sind: Quellennachweise zur Geschichte der Technik zu sammeln, eine technisch-historische Bibliographie zu verfassen und die Archive der Zentralstellen, staatlicher Betriebe sowie industrieller und gewerblicher Unter­nehmungen nach Beweisstücken für bedeutsame österreichische Erfindungen und Leistungen auf dem Gebiet der Technik zu durchforschen, der Sammlungsbestand

1 Fühier durch die AusstellungÖsterreichs Technik in Dokumenten der Zeit September-Oktober 1930. Geleitwort von L. Erhard, S. 5.

2 BfTG H. 1, S. 13, Wien 1932.