Ludwig Erhard.
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Die Herausgabe von Jahrbüchern und die Veranstaltung von Vortragsreihen wurde empfohlen.
Der N.-ö. Gewerbeverein stimmte der Meinung der Technischen Hochschule zu und richtete an das Ministerium für Unterricht und an das Ministerium für Handel und Verkehr Eingaben, die vorschlugen, es möchte der Gedanke der Errichtung eines Forschungsinstituts in Erwägung gezogen werden. Als Standort käme entweder die Technische Hochschule oder das Technische Museum in Betracht. Zur Werbung für den neuen Gedanken wurde von der Wiener Radio Verkehrs A.-G. „Ravag“ 1928 eine Vortragsreihe veranstaltet, die Exner einleitete.
Der zweite Verbandstag der Österreichischen Ingenieure und Architekten vom 17. Dezember 1928 beschäftigte sich mit der Frage der Geschichte der Technik und der Bedeutung der Denkmäler der Technik und empfahl in einer Entschließung die Errichtung eines Forschungsinstituts für Geschichte der Technik am Technischen Museum sowie den Ausbau des Denkmalschutzes hinsichtlich der technischen Kulturdenkmale. In einem Aufruf in den Verbandszeitschriften wurden* die Mitglieder zur Mitarbeit auf dem Gebiet der Technikgeschichte aufgefordert.
Die Akademie der Wissenschaften sprach sich ebenfalls für die Errichtung eines derartigen Instituts aus und die Ministerien für Unterricht und für Handel und Verkehr forderten die Direktion des Technischen Museums auf, einen Bericht zu erstatten. Am 4. März 1929 legte Erhard den beiden Ministerien eine Denkschrift über das zu gründende Institut vor, die der Technischen Hochschule zur Berichterstattung zugewiesen wurde. Die Hochschule betraute mit der Beratung einen Ausschuß, 1 der sich den Vorschlägen Erhards vollinhaltlich anschloß und die baldigste Verwirklichung wünschte. Die Denkschrift bezeichnet als Aufgaben und Ziele das Sammeln von Quellennachweisen, die Verfassung einer technisch-historischen Bibliographie, Anlage einer Bücherei, Durchforschen von Archiven, Herausgabe von Lebensbildern hervorragender Männer der Technik und die Herausgabe von Jahrbüchern. Dem Institut wäre ein fachlicher Beirat beizugeben, dem Vertreter von Behörden, von Hochschulen technischer Richtung, Museen, Archiven, Bibliotheken und technischen Vereinen und Körperschaften angehören. Die mit 44000 Schilling veranschlagten Kosten sollen aus privaten und öffentlichen Mitteln gedeckt werden. Zur Förderung der Vorarbeiten hielt der N.-Ö. Gewerbeverein am 24. März 1930 eine Besprechung ab, in der die Bildung von 30 Fachgruppen und die Aussendung von Fragebogen beschlossen wurde. Die Fragebogen wurden auch ausgesendet und ergaben wertvolle Beiträge. Im selben Jahr, vom 19. bis 22. September, hielt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) seine Hauptversammlung in Wien ab, in deren Rahmen der Österreichische Verein Deutscher Ingenieure (ÖVDI) eine Ausstellung unter dem Titel „Österreichs Technik in Dokumenten der Zeit“ veranstaltete. Der Arbeitsausschuß stand unter dem Vorsitz von Ludwig Erhard, Ausstellungsleiter war Erich Kurzel-Runtscheiner und im Ausschuß war auch das Technische Museum durch seinen neuen Direktor Ministerialrat V. Schützenhofer vertreten. Die Schaustellung, die in den Räumen der Graphischen Sammlung „Albertina“ der Nationalbibliothek untergebracht war,
1 Der Ausschuß bestand aus den Professoren Bock, Dolezal, Holey, Örley, Seidler und Strunz als Berichterstatter.
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