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Ludwig Erhard.
eine nicht unbeträchtliche Geldbeihilfe aus Nordamerika durch das Industrial Museum in Chicago zu beschaffen.
Ergänzend sei eine Anregung erwähnt, die Erhard in einer Denkschrift im Jahre 1914 nieder legte, und die an das Museum einen ständigen Ausstellungspark angliedern wollte. Erhard dachte an die Durchführung von fall weisen Ausstellungen und technischen Messen auf den unbebauten, 12000 qm messenden Flächen neben dem Museum. Dieser Gedanke ist damals nicht weiter verfolgt worden. Die Wiener Messe, die erst sieben Jahre später zum ersten Male abgehalten wurde, nahm einen anderen Weg, aber in einer Denkschrift vom Jahre 1938 kommt Erhard wieder in anderer Form darauf zurück, indem er das freie Museumsgelände für „Ständige Leistungsschauen“ verwendet wissen möchte.
Als Erhard wegen eines Augenleidens im Jahre 1930 als Direktor des Technischen Museums in den Ruhestand trat, konnte der Präsident des Kuratoriums, Arthur Krupp, in einem Schreiben vom 23. April 1930 seinen und den Dank des Kuratoriums nicht würdiger Ausdruck verleihen, als daß er ihn den „Wiener Oskar von Miller“ nannte.
Wenn Erhard zwar nicht wie Oskar von Miller in München der Anreger und alleinige Träger des Museumsplanes war, so ist doch die Verwirklichung der von vielen Seiten gegebenen Anregungen und die tatkräftige Durchsetzung unter Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten sein Verdienst. Sein ganz persönliches Werk ist die Erfüllung des Museumsplanes mit einem neuen Inhalt, mit dem Gedanken von der Durchgeistigung des technischen Schaffens.
Erhard gehörte dem Museum auch weiter als Mitglied des Kuratoriums an, und war in der Leitung des Vereins zur Förderung des Technischen Museums bemüht, den Interessen des Museums dienlich zu sein.
Von einem „Ruhestand“ aber konnte bei dem Betätigungsdrang Erhards keine Rede sein; er schuf sich ein neues Arbeitsfeld, das er durch die Gründung des Forschungsinstituts für Geschichte der Technik fand und das eine folgerichtige Weiterentwicklung seiner bisherigen Tätigkeit dar stellte.
Am 21. Februar 1928 hat sich der N.-Ö. Gewerbeverein über Anregung Exners mit der Frage beschäftigt, in welcher Weise die Pflege der Technikgeschichte in Angriff genommen werden könnte, und die Schaffung einer Lehrkanzel für Geschichte der Technik an der Technischen Hochschule in Wien oder eines Forschungsinstituts für Geschichte der Technik als erfolgversprechende Möglichkeit bezeichnet. Die Technische Hochschule hat sich am 4. Mai 1928 gegen die Errichtung einer Lehrkanzel ausgesprochen, weil die erforderlichen Fachkenntnisse zu grundverschieden seien, und weil eine geeignete Persönlichkeit nur sehr schwer gefunden wurden könnte; auch wären andere Lehrkanzeln viel dringender nötig und der Besuch der Vorlesungen würde wahrscheinlich ein schwacher sein. Die Technische Hochschule w r ar der Meinung, daß nur ein Forschungsinstitut einigermaßen Aussicht habe, der Aufgabe gerecht zu werden. Ob das Forschungsinstitut selbständig oder in Angliederung an eine bestehende Einrichtung (eine Hochschule, das Technische Museum oder eine Bibliothek) errichtet werden solle, schien nicht ausschlaggebend. Dem Institut sollte ein Kuratorium beigegeben und ein Verein angegliedert werden.