Ludwig Erhard.
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bestellt. Er war mit der überstürzten Eröffnung nicht einverstanden gewesen, 1 aber er setzte alles daran, um trotz des empfindlichen Leutemangels die Einrichtungsarbeiten der Sammlungen fortzuführen und den Betrieb mit Vorträgen, Kinovorführungen, Führungen und zeitweiligen Ausstellungen und Leistungsschauen aufzunehmen.
Für die Einrichtung der Sammlungen hatte Erhard von Beginn an einen klaren Grundgedanken gefaßt, den er festhielt und immer entschieden betonte. Er wollte den Lebenssinn der einzelnen technischen Werke durch ihre gliedhafte Einreihung in den großen gesetzmäßigen Werdegang der Technik erwecken, wobei er die drei Hauptstufen der Entwicklung, die organische Stufe, die organisch-anorganische Übergangsstufe und die anorganische Stufe überall folgerichtig herausarbeitete.
Die Folgerichtigkeit, mit der an dem Gedanken einer Entwicklungsgeschichte der Technik,der aus der technischen Denkweise und nicht aus dem historischen Denken hervorgegangen ist, unbeirrt festgehalten wurde, ist das Neue an dem Werk Erhards, ist das Eigenartige der neuen Schöpfung, an der so viele Köpfe mitgearbeitet haben, die aber doch schließlich den Stempel einer persönlichen Geisteshaltung erhielt und diese strenge, unerbittliche Folgerichtigkeit ist das Geheimnis, warum das Wiener Museum mit der ungeheuren Fülle von Werken der Industrie und Technik so klar und selbstverständlich und so lebendig wirkt. Wie leicht könnte die Vielgestalt der Erscheinungsformen des technischen Fortschrittes verwirren und erdrücken, aber das ist das Überraschende im Wiener Technischen Museum, daß sich das Bild der alles von Grund auf neu gestaltenden Macht der Technik in ruhigem, selbstverständlichem, sinnvollem Leben abrollt. Unbewußt merkt man den ,,Weg des Geistes in der Technik“, der alle Erscheinungsformen beherrscht. Der neue Inhalt, den Erhard den Sammlungen gab, war sein persönliches Verdienst.
Die klare Anschaulichkeit des Wiener Technischen Museums ist von vielen Besuchern als besonders wirkungsvoll anerkannt worden, so auch von C. R. Richards, der das Technische Museum in seinen ersten Anfängen werden sah und der die Verlebendigung des Museumsinhaltes, die wirksame Raumanordnung und die strenge entwicklungsgeschichtliche Auswahl der Gegenstände lobend hervorhebt. 2
Trotz der Verstaatlichung des Museums gab es in den schweren Jahren der Nachkriegszeit und in den Zeiten politischer Erschütterungen sorgenvolle Jahre für das Museum, dem ein „Verein zur Förderung des Technischen Museums und der angegliederten Institute“ unter der bewährten Führerschaft von Ing. Dr. Heinrich Goldemund, der schon seit den ersten Anfängen des Museumsgedankens ein tatkräftiger Mitarbeiter war, zur Seite stand und dem ein großes Verdienst an der Widmung des Bauplatzes und der Förderung des Baues zukommt. Mit dem Deutschen Museum in München bestand jederzeit ein Verhältnis enger, freundschaftlicher Zusammenarbeit. Erhard war wiederholt bemüht, die immer wieder auftretenden finanziellen Schwierigkeiten zu mildern, und es gelang ihm auch im Jahre 1929,
1 Exner, Erlebnisse, S. 129, Wien 1929. Erhard, Der Aufbau des Tedmischen Museums in Wien, Denkschrift 1938, Manuskript S. 11.
2 0. R. Richards, The Industrial Museum. New York 1915.
Tcchnikcesotiichte, 8. Heft.
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