16
Ludwig Erhard.
Richtung. Zur Ausführung kam nur der Mittelteil, das eigentliche Sammlungs- gebäude, das über einer Grundfläche von 9600 qm 16000 bis 20000 qm Bodenfläche für die Sammlungsräume auf weist, gegenüber 23000 qm Sammlungsfläche des Deutschen Museums in München im Jahre 1925. 1
Der bis dahin zur Verfügung stehende und angemeldete Sammlungsbestand hatte dank der eifrigen Werbetätigkeit Erhards und des inzwischen auf 875 Mitglieder angewachsenen Kollegiums der Eachreferenten einen solchen Umfang angenommen, daß W. Exner in der Generalversammlung der Fachkonsulenten vom 14. Juni 1914 berichten konnte, daß die zur Verfügung stehenden Sammlungsräume des Neubaus nur knapp für die Aufstellung aller Gegenstände ausreichen werden. Wie weit die Arbeiten gediehen waren, erhellt daraus, daß Exner mit einer Eröffnung für den allgemeinen Besuch am 2. Dezember 1914, dem Jahrestag des Regierungsantrittes Kaiser Franz Josephs I., rechnete. Der Ausbruch des Krieges verursachte wohl eine Verzögerung der Aufstellung und Einrichtung der Sammlungen, aber trotz aller widrigen Zeitumstände wurde das Technische Museum am 6. Mai 1918 2 ohne jede Feierlichkeit für den allgemeinen Besuch eröffnet. Am 10. Mai 1918 hält Erhard in der Generalversammlung des N.-Ö. Gewerbevereines einen Vortrag über das neue Museum, das zeigen soll ,,wie sich die Technik der wirtschaftlichen Arbeit von der ursprünglich überwiegenden Benützung organischer Werkstoffe und menschlicher und tierischer Arbeitsleistung immer mehr zur Herrschaft über die anorganische Natur und die leblosen Kräfte und Energiequellen entwickelt hat“. 3
Die Volkstümlichkeit des neuen Museumsgedankens erhellt daraus, daß schon in den ersten sechs Wochen über 20000 Besucher zu verzeichnen waren und in den ersten Jahren des Bestehens jährlich mehr als 100000 Besucher gezählt wurden, so daß es zu den stärkst besuchten wissenschaftlichen Anstalten gehörte, obwohl es weit vom Stadtkern liegt. 4 Es stand also in seiner Volkstümlichkeit dem Münchener Museum nicht nach.
Das Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien war im Jahre 1909 als ein unter dem Schutze und der Oberaufsicht der Staatsverwaltung stehender Verein gegründet worden, dessen Zweck die anschauliche Darstellung der technischen Entwicklung von Industrie und Gewerbe, die Förderung des technischen Fortschrittes und die Bildung des ganzen Volkes sein sollte. Im Dezember 1921 wurde das Museum in die staatliche Verwaltung übernommen und Erhard, der von Anfang an die Sammlungen und den Betrieb geleitet hatte, am 9. Januar 1922 zum Direktor
1 Der Neubau des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe, Wien 1913. Bericht über die Münchener Tagung 1912 und bezüglich des Deutschen Museums in München: Bosch, Der Museumsneubau in: C. Matschoss, Das Deutsche Museum, S. 52. München 1925.
2 Exner gibt als Tag der Eröffnung den 18. Mai 1918 an (E xner, Erlebnisse, S. 129, Wien 1929), aber in der Wochenschrift des N.-Ö. Gewerbevereines 1918 wird der 6. Mai genannt. Der 6. Mai 1918 wird auch in der Wiener Zeitung als Eröffnungstag angegeben, so daß dieser Tag zweifellos der richtige ist.
3 Wochenschrift des N.-Ö. Gewerbevereines, S. 181, 1918.
4 Wochenschrift des N.-Ö. Gewerbevereines, 23. Juni 1918 und S. 47, 1927.