Aufsatz 
Ludwig Erhard / von Karl Holey
Entstehung
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Ludwig Erhard.

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kornitee ein Vorprojekt von Emil Ritter von Förster für den Neubau vorlegen konnte. Dem Arbeitsausschuß waren zahlreiche Sonderausschüsse angegliedert und für die Beschaffung des Sammlungsbestandes arbeitete ein Fachreferentenkollegium, dem 1908 schon 450 Mitglieder aus allen Kreisen der Industrie und Technik an­gehörten.

An der Spitze des Organisationskomitees stand Wilhelm Exner, der unermüdlich tätig war, um alle Schwierigkeiten, die sich dem neuen Unternehmen entgegenstellten, aus dem Weg zu räumen. Wie weit Erhard an diesen Vorarbeiten beteiligt war, läßt sich nicht feststellen, wir können aber annehmen, daß er infolge seiner engen Zusammenarbeit mit Exner daran Anteil hatte, jedenfalls ist er schon 1908 als Vertreter des Gewerbeförderungsamtes im Kreise der Mitarbeiter der öffentlichen Zentralstellen tätig.

Schon im nächsten Jahre, am 20. Juni 1909, findet durch Kaiser Franz Joseph die Grundsteinlegung zu dem Museumsbau auf den von der Gemeinde gewidmeten Spitzackergründen gegenüber dem Schloß Schönbrunn statt, nachdem als Ergebnis eines Wettbewerbes der Entwurf von H. Schneider nicht ganz ohne Wider­spruch der Architektenschaft 1 für die Ausführung gewählt worden war. Sehr bald erkannte der Arbeitsausschuß, daß nunmehr die Arbeiten eines vielgliedrigen Kollegiums, das aus zahlreichen Ausschüssen und Fachreferenten bestand, nicht geeignet waren, um ein einheitliches Werk möglichst rasch entstehen zu lassen und aus den vielen Anregungen eine brauchbare Wirklichkeit zu schaffen. Am 3. Mai 1910 beschloß der Arbeitsausschuß des Technischen Museums, den Oberbaurat des

k. k. Gewerbeförderungsamtes Ludwig Erhard für die Zeit des Baues und der Ein­richtung des Technischen Museums zum technischen Beirat zu bestellen und ab

l. Juli 1910 wurde Erhard vom Ministerium für öffentliche Arbeiten für diesen Zweck zur Verfügung gestellt.

Im Mai 1912 fand eine Tagung der Fachreferenten in München statt, die dem Besuch und Studium der Sammlungen und des in Ausführung begriffenen Neubaues des Deutschen Museums galt. Nach einem Vortrag Oskar von Millers über das Deutsche Museum besprach Erhard die Pläne und Einrichtungen des Wiener Technischen Museums, das vor der Vollendung des Neubaus stand, während man in München mit der Fertigstellung für das Jahr 1915 rechnete. Erhard wollte dem Wiener Museum einen mehr technisch-wirtschaftlichen Charakter geben zum Unter­schied von dem Deutschen Museum in München, das ein vorwiegend naturwissen­schaftliches Gepräge trägt. 2

Der Neubau des Technischen Museums in Wien war im Jahr 1910 begonnen worden und nach dreijähriger Bauzeit war das Hauptgebäude in dem heutigen Umfang fertiggestellt. Vorgesehen war eine dreigliederige Anlage mit einem Mittel­bau als eigentlichem Museumsgebäude für die Aufnahme der Sammlungen, einem rechts anschließenden Teil für die Verwaltung und einem linken Flügel als Aus­stellungsgebäude für wechselnde Ausstellungen industrieller und gewerblicher

1 Mitteilungen der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, Wien 1908.

2 Bericht über die Münchener Tagung der Fachreferenten des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien, Wien 1912.