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Ludwig Erhard.
lebendiges Anschauen und Eindringen in das Wesen technischer Kultur ermöglichen soll. Wie stark der volkstümliche Charakter wirkte, das zeigte sich an der Besucherzahl, die bald nach der Eröffnung der behelfsmäßig untergebrachten Sammlungen im ehemaligen Nationalmuseum auf dem Maximiliansplatz die Besucherzahl aller anderen Museen weit übertraf. 1
Obzwar schon im November 1905 die Sammlungen in einer vorläufigen Aufstellung im Alten Nationalmuseum zugänglich gemacht wurden, konnte die Eröffnung des Museums in dem Neubau auf der Kohleninsel erst zwanzig Jahre später, im Mai 1925, erfolgen, und wieder sieben Jahre vergingen, bis der Studienbau, der 1928 begonnen wurde, seiner Bestimmung übergeben werden konnte.
In Wien nahm die Verwirklichung des Museumsgedankens, trotz der großen Schwierigkeiten, die vor allem in der Beschaffung der Geldmittel lagen, einen raschen Verlauf.
Der Plan Exners, den er im Jahre 1907 im Elektrotechnischen Institut der Technischen Hochschule in Wien unter Hinweis auf das Münchener Vorbild dem Österreichischen Verband deutscher Ingenieure vortrug, wurde zunächst vom Elektrotechnischen Verein in Wien unterstützt, der zur Gründung eines „Österreichischen Museums für Technik und Industrie“ in Verbindung mit der für das sechzig]ährige Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Joseph I. geplanten Jubiläums-Gewerbe- ausstellung auf forderte. Die Vorarbeiten für diese Jubiläums Veranstaltung, die vom N.-Ö. Gewerbeverein zusammen mit anderen industriellen Verbänden unter Mitwirkung des Handelsministeriums geführt wurden, verzögerten sich derart, daß das Gelingen der Ausstellung ernstlich in Frage gestellt war, und in einer Denkschrift vom 26. Mai 1907 wurde die Anregung gegeben, 2 das Ausstellungsunternehmen zugunsten des Gedankens eines Museums für Technik, Industrie und Gewerbe als bleibendes Denkmal des Jubiläumsjahres aufzugeben. Der Vertreter des Handelsministeriums, Dr. Siegmund Brosche, griff die Anregung auf und verfolgte den Museumsgedanken in wirkungsvoller Weise durch die Zusicherung einer staatlichen Beihilfe von 1500000 Kronen und durch Gründung eines vorbereitenden Ausschusses, dem die Herren August Denk, Wilhelm Exner, Georg Günther, Arthur Krupp, Hugo von Noot, Karl Schlenk, Paul Ritter von Schoeller und Heinrich Vetter angehörten.
Nachdem auch die Gemeinde Wien durch Widmung des Baugrundes und Zusicherung eines Baukostenbeitrages von 1 Million Kronen ihre tatkräftige Förderung des Vorhabens bewiesen hatte, konnten die vorbereitenden Arbeiten als abgeschlossen gelten und der erwähnte Ausschuß wandelte sich in einen Arbeitsausschuß um, der unter dem Vorsitz von Arthur Krupp aus den Herren Sektionschef Dr. Sigmund Brosche,' Sektionschef Dr. Wilhelm Exner, Generaldirektor Dr. Georg Günther, Hugo von Noot, Prof. Karl Schlenk und Kommerzialrat Heinrich Vetter bestand. Alle Beteiligten verfolgten ihre Aufgaben mit großer Tatkraft, so daß schon im Jahre 1908 das unter dem Vorsitz von Georg Günther arbeitende Bau-
1 C. Matschoss, Das Deutsche Museum, Geschichte, Aufgaben, Ziele. München 1929. C. von Linde, Die Geschichte des Deutschen Museums, S. 7ff.
2 W. Exner, Das Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien, S. 94ff., Wien 1908.