Zur Begriffsbestimmung der Volkstechnik.
Von
Dipl.-Ing. Dr. L. Erhard, Wien.
Mit 13 Abbildungen.
ln einem Vortrag über „Kultur und Technik“, den F. Reuleaux (1829 bis 1905) im Jahre 1884 in Wien hielt, hat dieser hervorragende deutsche Technologe und Kinematiker eine bedeutsame Rassenfrage auf technischem Gebiet dadurch aufgeworfen, daß er den grundlegenden Unterschied zwischen naturistischen und manganistischen Völkern hervorhob. Re ule au x nannte hierbei j ene Völkerschaften naturistisch, welche infolge ihrer totalistischen Weltanschauung an den ihnen von Xatur aus verliehenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Beschaffung des Nötigsten starr festhalten und trotz anderwertiger Kulturleistungen gerade auf der einmal erreichten Vorstufe technischer Entwicklung schicksalsergeben beharren, wie z. B. manche arabischen, indischen und chinesischen Stämme. Dagegen bezeichnete der Redner die nordatlantischen Völker, und darunter namentlich auch die Deutschen, als manganistisch, weil sie die Gesetze der Naturenergien erkannten und auf Grund wissenschaftlicher Forschung und Lehre das moderne Ingenieur wesen ausgebildet haben. 1 Die schöpferische technische Tat ist daher das Kennzeichen der manganistischen Völker.
Die unter langen und schweren Geisteskämpfen errungene Kenntnis der mechanischen, physikalischen und chemischen Naturgesetze bildet nunmehr auch die sichere wissenschaftliche Grundlage der nationalen deutschen Technik, die im gegenwärtigen Völkerringen dem deutschen Kampfgeist die Kampfmittel liefert und so zu den bahnbrechenden militärischen und wirtschaftlichen Erfolgen des Dritten Reiches wesentlich beiträgt.
, Angesichts der überragenden Leistungen der wissenschaftlichen Technik unserer Tage verliert die schlichte Volks- und Handwerkstechnik der Voreltern immer mehr an Bedeutung und Wertschätzung. Trotzdem darf man nicht vergessen, daß Erfindungsgabe und Schaffenskraft den Deutschen von altersher im Blut liegen und deshalb auch einen Wesenszug ihrer Volkstechnik bilden. Dieser technische Geist der Deutschen loderte schon zur Zeit der Gotik und Renaissance mächtig
1 „Manganon“ nannten die Griechen eine Wurfmaschine für Kriegszwecke, mit dieser Maschine ist das Wort ins Mittelalter herüber gekommen; im alten Nürnberg wurde es zur Benennung einer großen Appreturmaschine gebraucht und es lebt in unserer Wäscliemange heute noch fort. Als „Manganismus“ bezeichnete Reuleaux ganz im allgemeinen die Meisterung der in ihren Gesetzen erkannten Naturenergien.