Aufsatz 
Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens / von Oswald Dirmoser
Entstehung
Seite
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HO

Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.

Schwarzpulvers, das durch mehr als 500 Jahre das Geschützwesen beherrscht hatte, ein Ende bereiteten.

Die Entwicklung der gezogenen Geschütze knüpft an die von dem Hüttenwerks­besitzer Baron Wahrendorff (Bild 6) zu Aaker in Schweden und den piemontesi- schen Artilleriemajor Giovanni Cavalli (Bild 7) Mitte der Fünfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts angewandten Hinterladungskonstruktionen an. Wahren­dorff hatte schon im Jahre 1843 für seine glatten gußeisernen Kanonenrohre einen Kolbenverschluß, also einen Längs Verschluß fertiggestellt, somit das seit langer Zeit

Bild 6. Hofmarschall Mariin v. Wahrendorff Bild 7. Giovanni Cavalli.

(1789-1861) (1808-1879)

(Nach einer Lithographie in der kgl. Bibliothek in

Stockholm). ganz in Vergessenheit geratene Hinter-

ladungssystem wieder zur Anwendung ge­bracht und dabei durch Umlegen eines Bleiüberzuges um die eiserne Rundkugel den Spielraum zwischen Geschoß und Bohrung beseitigt.

Cavalli konstruierte 1844 den ersten Querkeilverschluß, und zwar für eine 16 cm-Kanone und brachte gleichzeitig in der Seele des Hinterladungsrohres zwei Züge an, in welche ein zylindrokonisches Geschoß mit entsprechenden Ansätzen eingriff, ohne daß jedoch der Spielraum zwischen Geschoß und Bohrung beseitigt wurde.

Cavalli kam im Jahre 1847 zwecks Überwachung der Herstellung piemonte- sischer Geschütze in die Gießerei Wahrendorffs nach Schweden und veranlaßte diesen, seinen glatten Hinterlader mit Zügen zu versehen. Wahrendorff nahm nicht nur die Züge, sondern auch das Langgeschoß an, umgab aber letzteres mit einem Bleimantel, dessen Querschnitt so bedeutend war, daß sich das Geschoß gewaltsam in die Züge einpressen mußte und nicht bloß rotierend, sondern auch ohne Spielraum durch das Rohr ging. Der erste Schrauben Verschluß wurde später in England von Armstrong gebaut.