Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.
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als ein dem Schwarzpulver in jeder Beziehung überlegenes Schießmittel an. Der deutsche Bund betraute mit der Prüfung dieser Erfindung eine eigene Kommission, die jedoch zu der Erkenntnis gelangte, daß die Schießbaumwolle wegen ihrer unzuverlässigen Wirkung und chemischen Veränderlichkeit als Ersatz für Schwarzpulver vorläufig nicht in Frage kommen könne.
Preußen hatte bereits 1858 das Wahren DORFFsche Hinterlade Geschützsystem erworben, erzeugte nach diesem eiserne 9, 12 und 15 cm-Geschütze und arbeitete
seine bronzenen Geschütze auf dieses System um. — Frankreich nahm rasch entschlossen das CAVALLische System an, das von dem General de la Hitte verbessert und nach ihm benannt wurde.
In Österreich waren die Festungsgeschütze M 61 (Bild 9) die ersten gezogenen Hinterlader. Die Rohre aus Gußeisen hatten einen einfachen Kolbenverschluß und eine anfänglich sehr primitive Liderung. Es muß heute wie ein Märchen aus längst vergangener Zeit anmuten, daß hierbei zwei kreisrunde Scheiben aus Pappendeckel, die an den Rändern aufgestülpt und an den Bodenflächen in Form eines Kugelabschnittes eingebogen waren, zur Liderung eines Geschützes gedient haben. Und trotzdem hat sich das Hinterladegeschütz mit der Zeit endgültig durchgesetzt.
Die Bewaffnung der Infanterie mit Hinterladegewehren hatte die Kampfdistanzen allgemein vergrößert. Um nicht in die Nachhand zu geraten, mußte daher die Artillerie an ein weitertragendes Geschütz denken. Die Vergrößerung der Schußweite erforderte aber ein größeres Geschoßgewicht, gesteigerte Anfangsgeschwindigkeit und damit in Verbindung größere Pulverladungen. Für die dadurch bedingten höheren Gasspannungen und Verbrennungstemperaturen war jedoch die Bronze des Geschützes M 63 nicht mehr geeignet, so daß sich mangels eines anderen erprobten Werkstoffes die Notwendigkeit ergab, die Firma Friedrich Krupp in Essen, welche sich inzAvischen durch ihre Rohre aus Tiegelgußstahl einen Namen gemacht hatte, bei der Schaffung des neuen Geschützmateriales heranzuziehen.
Tiegelgußstahl wurde schon im Jahre 1740, also vor rund 200 Jahren, von dem englischen Uhrmacher Benjamin Huntsman in Sheffield erzeugt. Huntsman blieb nicht der alleinige Nutznießer seiner Neuerung, denn Adele seiner Mitbürger setzten
Bild 10. Friedrich Krupp (1787—1826).