Aufsatz 
Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens / von Oswald Dirmoser
Entstehung
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Bahnbrecher auf dem Gebiet des Geschützwesens.

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sich im Laufe der Zeit in den Besitz seines Geheimnisses und so versorgte Sheffield zu Beginn des 19. Jahrhunderts die ganze Welt für schweres Geld mit seinen be­rühmten Stahlwerkzeugen so hervorragender Qualität, daß man sich damals etwas besseres gar nicht vorstellen konnte. Auf dem Kontinent trat man erst 1811 an die Herstellung von Gußstahl heran, als infolge der Kontinentalsperre die Zufuhren aus England aufhörten; und da war es der im Jahre 1787 geborene Friedrich Krupp (Bild 10), dem es nach Aufwand großer Mühen und völliger Erschöpfung seiner bedeutenden Geldmittel im Oktober 1816 tatsächlich gelang, Gußstahl her­zustellen. Da das Geheimnis der Fabrikation des englischen Gußstahles damals

Bild 11. Alfred Krupp (1812-1887). Bild 12. Friedrich Alfred Krupp (1 8541902).

auf dem Festland noch nicht bekannt war, muß Friedrich Krupp als der konti­nentale Erfinder des Gußstahles angesehen werden.

Und nun setzt auch die Arbeit seines im Jahre 1812 geborenen Sohnes Alfred (Bild 11) ein, den der Vater noch auf seinem Krankenlager als 13 1 / 2 jährigen Knaben in das Geheimnis der Gußstahlfabrikation eingeweiht hatte und der nach dem Tode seines Vaters, also im Alter von 14 Jahren, für seine Mutter die Leitung des kleinen Werkes übernehmen mußte, das damals nur 2 Arbeiter beschäftigte. 15 Jahre lang erwarb er gerade nur so viel, um den wenigen Arbeitern, mit denen er in einer Reihe stand, ihren Lohn auszahlen zu können. Erst zu Anfang der Fünfzigerjahre gab ihm seine Erfindung der Löffelwalze zur Herstellung wertvoller Löffel, Gabeln und Messer die Mittel an die Hand, die Fabrik zu erweitern und dadurch den Aufstieg seines Werkes anzubahnen. Um seinem Gußstahl, von dessen Vorzüglichkeit er durchdrungen war, ein größeres Verwendungsgebiet zu schaffen, konstruierte er 1847 das erste Geschützrohr aus Gußstahl (Bild 13), einDreipfünder-Mantel- rohr, und zwar ein glattes Vorderladerohr, bei dem nur das Kernstück aus Gußstahl bestand, während der die Verbindung mit der Lafette vermittelnde Mantel noch aus Gußeisen hergestellt war. Aber schon im Jahre 1855 wurde von Krupp auf