Friedrich Ritter von Lössl.
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sehen erregte. Die Reliefs wurden von Lössl in der Weise hengestellt, daß, entsprechend den Schichtlinien auf der Karte. Ebenen aus Kartons ausgeschnitten wurden. Die Kartonstärke entsprach einem bestimmten Höhenbetrag in der Natur. Diese Kartons wurden aufeinandergeklebt und zur größeren Haltbarkeit mit Firnis überzogen. Das Gelände war also auf diesem Relief treppenförmig dargestellt. Lössl, der durch seine Vermessungstätigkeit bei den Rahnbauten zu diesen Arbeiten angeregt worden war, vereinfachte in späteren Jahren deren Herstellung durch Konstruktion besonderer Laubsägemaschinen, die das Ausschneiden der Schichtkartons erleichterten. Auf Ausstellungen in London und Wien fanden die Reliefs viel Anklang.
Bei den Trassierungsarbeiten verwendete Lössl neben der trigonometrischen Höhenmessung auch die barometrische, die von ihm weiterentwickelt wurde und die insbesondere im einsamen, schwer zugänglichen Gelände von großer Bedeutung war. Die Instrumente für die barometrischen Höhenmessungen hatte er sich selbst hergestellt. Es waren luftleere Meßdosen, die auf ein Zeigerwerk wirkten, wie sie heute an Aneroidbarometern allgemein üblich sind.
Der München-Salzburg-Bahngesellschaft erwuchsen trotz des Baufortschritts wirtschaftliche Schwierigkeiten, die Konzession wurde rückgängig gemacht. Die Fortführung des Baues wurde Lössl als kgl. bayer. Sektionsingenieur übertragen. Doch bald erfolgte die Unterbrechung aller Staatsbahnbauten und damit eine neue Bausistierung auch auf dieser Linie. Daher wurde Lössl nun als Inspektionsingenieur für den Zivilhochbau mit dem Amtssitze in Bamberg verwendet. Hier war ihm die Überwachung der Hochbauten des Bezirkes Bamberg übertragen, darunter auch die der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und der Bamberger Residenz sowie die Umwandlung des säkularisierten Klosters Ebrach in ein Staatsgefängnis. Lössl übte die Hochbautätigkeit drei Jahre aus, beschäftigte sich aber auch hier wieder, wie es seine Art war, gleichzeitig mit anderen technischen Arbeiten. Dies war ihm durch teilweise Beurlaubungen vom Staatsdienst möglich. So übernahm er für ein Münchener Bankhaus die Trassierung der Bahn Starnberger See—Penzberg. Außerdem leitete er den technischen Aufbau eines bedeutenden Fabrikunternehmens in Immenstadt; es war dies die dort 'begründete Bindfadenfabrik. Hierbei war Lössl nicht nur die Gesamtprojektierung, sondern auch die Einrichtung der Kraftzentrale übertragen.
1856 sollte Lössl auf 'Grund seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete des (Bahnbaues eine leitende Stellung bei der Bayerischen Ostbahngesellschaft angebotein werden. Aus den bereits erwähnten politischen Gründen konnte sich jedoch die Leitung dieser Bahngesellschaft nicht entschließen, ihn für den Posten vorzusehen. Obwohl Lössl von befreundeter Seite aufgefordert wurde, sich trotz allem auch weiterhin um diese Stellung zu bemühen, sah er davon ab und erklärte, daß er unter diesenUmständen eine istaatsdienstliche Stellung in Bayern als aussichtslos betrachte und daher auch sein bisheriges Amt als staatlicher Sektionsingenieur niederlege. Damit hatte er auch seine Anwartschaft auf besondere Anerkennung seiner bisherigen bahnbaulichen Leistungen sowie auf die Einführung des von ihm entwickelten Terrainaufnahmesystems aufgegeben.
Aus diesen Gründen bemühte sich Lössl, eine seinen Fähigkeiten ent-