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Kurt von Lössl
Im März 1871 trat Lössl endgültig aus der Verwaltung der Westbahn aus und wurde als Chefingenieur der Bauabteilung in jene der Franco-Österredchi- schen Bank übernommen. Es wurde ihm sofort die Überwachung des Bahnbaues Karlstadt—Ogulin übertragen. Dieser Bahnbau war bereits weit fortgeschritten, die Baukosten waren jedoch erheblich überschritten. Weiterhin trassierte und projektierte er die Strecke Dirazzo—Pola sowie einige Ansohlußlinien 'bei Triest. Auch bearbeitete und entwarf er den Plan eines Schiffahrtskanals, der die Donau mit der Save verbinden sollte. Die wichtigste Aufgabe in dieser Stellung war es jedoch, im Rahmen eines Generalbebauungsplanes von Wien eine Stadtbahn in Normalspur zu projektieren, deren Zentralbahnhof auf dem Gelände des der Francobank gehörenden Wiener Freihauses angelegt und mit allen Wiener Fernbahnen verbunden werden sollte. An der Tatsache, daß dieser Gedanke Lössls unausgeführt blieb, krankt das Wiener Verkehrssystem noch heute.
Hier sei auf das große Interesse hingewiesen, das Lössl auch dann an Bauten zeigte, wenn sie für ihn beruflich erledigt waren. Oft wurden früher von ihm geleitete Baustellen, so z. B. die Großhesseloher Brücke bei München noch Jahre nach seiner dortigen Tätigkeit besucht; ebenso fertiggestellte Bahnlinien, die er bloß projektiert hatte.
1873 fertigte Lössl wieder Reliefs und graphische Darstellungen von iso- pedischen Terrainaufnahmen an, zu denen auch jene der Salzkammergutbahn gehörte. Diese Aufnahmen waren für die Wiener Weltausstellung bestimmt und wurden von dieser mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet; die Arbeiten gingen später an die Lehrmittelsammlung der Wiener Technischen Hochschule über.
Im Jahre 1874 unternahm Lössl wiederum einige Studienreisen. Deren eine führte ihn zum Gotthardtunnel, wo er insbesondere die Lüftungseinrichtungen besichtigte. Auf einer anderen studierte er im bayerischen Allgäu Wildbachverbauungen sowie eine Wasserturbinenanlage mit einem für die 'damalige Zeit außergewöhnlich hohen Gefälle. Im September 1875 wurden Lössl von der Westbahn-Generaldirektion die Beendigungsarbeiten am Bau der Giselabahn — die Linie Salzburg—Bischofshofen—Zell am See—Kitzbühel—Wörgl — übertragen, die sich bis Juli 1876 hinzogen. Ende 1876 übernahm Lössl die Bauvollendung und Fahrbarmachung der Erzherzog-Albrecht-Bahn in Galizien, wodurch zahlreiche Besichtigungsreisen erforderlich wurden. Bei dieser Bahn waren nämlich Rutschungen auf getreten, die im Laufe des Jahres 1877 mit gewaltigem Aufwand von Erd- und Steinmassen sowie durch Stützarbeiten wieder beseitigt werden mußten.
Von der steirischen Baugesellschaft, in deren Vorstand Lössl inzwischen eingetreten war, kaufte er ein Sanatorium in Aussee, das er später zu einem erstklassigen Hotel ausbaute. Er zeigte schon in diesen Jahren viel Interesse an der Entwicklung dieses Ortes, war in dessen Kurkommission tätig und verbrachte hier in der Folge stets 'die Sommermonate. Der vollendete Hotelbau, der zwischen Aussee und Alt-Aussee liegt, erhielt den Namen Badehotel Elisabeth. Neben dem Hotel war ein Solebad eingerichtet (Bild 2).
Das Jahr 1875 brachte etwas Ruhe bei den Bahnbauten. Lössl benützte diese Zeit, um Versuche mit neuartigen Schnellbremsen für Straßenbahnen durohzu-