Aufsatz 
Der Lebenslauf Friedrich Ritter von Lössls / von Kurt von Lössl
Entstehung
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Kurt von Lössl

dem Uhrmacher Mahler aus der dortigen Gegend förderte seine Pläne und Unter­suchungen über die Ausführbarkeit selbstwirkender Luftmotoren, die nicht nach Art der Windmühlen, .sendern mittels hermetisch eingeschlossener Luftmassen arbeiten. Dieser Uhrmacher hatte an der Sonnenseite seines langgestreckten

Hauses eine lange eiserne Stange unterhalb der Dach­rinne angebracht, deren eines Ende fest eingemauert war, während das andere Ende sich frei bewegen konnte; dieses schob sich unter dem Einfluß der Tem­peraturschwankungen der Luft und der hierdurch be­wirkten Ausdehnung und Zusammenziehung der Eisenstange mit großer Kraft hin und her. Die me­chanische Arbeit wurde mittels eines Hebelwerkes in das Innere des Hauses geleitet, dort durch Gewichte aufgespeichert und dann zum Aufziehen von Uhren und zu anderen Arbeitsleistungen verwendet. Uhr­macher Mahler hatte auch eine Zimmeruhr angefer­tigt, die durch ein System verschiedener Metall­stangen, deren Längenänderungen durch Ausdehnung und Zusummenziehung infolge der Temperatur- Schwankungen sinnreich ausgenützt waren, aufge­zogen wurde. Diese Uhr ist später Eigentum des Erz­bischofs von München geworden.

Lössl überlegte nun, daß der räumliche Ausdeh­nungskoeffizient der Luft bedeutend größer ist als der des Eisens und daß bei dieser schon die Tempe­raturdifferenz von 1° C eine Ausdehnung um 1 / 3 °/o des Rauminhalts zur Folge hat. Eine hermetisch einge­schlossene große Luftmenge mußte also vermittels der natürlichen Luftdruckschwankungen erhebliche Arbeitsleistungen aufbringen können. Das Projekt wurde von Lössl in seiner Linzer Zeit so weit durch­gearbeitet, daß es nun verwirklicht werden konnte.

Die ersten Uhren dieser Art, die Lössl anferti­gen ließ, waren in geschlossenen Räumen zu verwen­dende Wanduhren. Deren Präzisionswerke waren mit Gewichtsantrieben versehen, die eine Laufzeit von etwazwei Monaten hatten. Im unteren Teil jeder dieser Uhren befand sich ein Luftkolben, der sich in einem

Abb. 3.Autodynami­sche Uhr; im unteren Teil der Luftkolben, der durch seine von den Luft­druck- und Temperatur­schwankungen her vor ge­rufenen Bewegungen ein Aufziehen der Uhr be­werkstelligte.

Zylinder auf und ab schieben konnte. Der Kolben war mit einer Kette verbunden, die bei Bewegung des Kolbens in einer der Richtungen das Aufziehen des Ge­wichtes bewirkte. Der Zylinder stand durch ein dünnes Bleiröhrchen in Verbin­dung mit einem Blechkessel, der, dem Sonnenlicht zugänglich, an der Außenwand des Hauses angebracht war. Es zeigte sich, daß die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht völlig ausreichten, um die Uhr ständig aufzuziehen. Das Aufziehen der Uhr konnte aber auch schon beobachtet werden, wenn bei Sonnen-