Friedrich Ritter von Lössl.
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bestrahlung der erwähnte Blechkessel durch Übergießen mit Wasser abgekühlt wurde, da bereits diese Abkühlung das Anheben des Gewichtes um mehrere Millimeter bewirkte. Bei den später im Freien aufgestellten Standuhren war der Blechkessel im Innern der Uhr untergebracht; der übrige Aufbau der Uhr war im Prinzip der gleiche.
Im Jahre 1881 wurden mehrere derartige Uhren in Linz, Wien und Aussee aufgestellt. Weitere folgten in den nächsten Jahren. Für diese im Freien stehenden Standuhren trat naturgemäß der Vorteil, daß sie sich selbst aufzogen, besonders in Erscheiung. Standuhren auf Straßen oder Plätzen waren in der damaligen Zeit noch selten, denn sie mußten wie Turmuhren meist wöchentlich einmal aufgezogen werden.
Der größte Teil der autodynamischen Uhren arbeitete vollkommen befriedigend und lief erstaunlich lange Zeit ohne jede Aufsicht. So zeigte z. B. die Uhr ;im Linzer Volksgarten 21 Jahre lang ohne jede Bedienung die genaue Zeit an. (Sie wurde nach diesem Zeitraum wegen baulicher Veränderungen auf einen anderen Platz versetzt. Die Werke und die Aufzugsvorrichtungen waren so vorzüglich konstruiert, so daß tatsächlich mit vollkommener Betriebssicher- heit für Jahrzehnte gerechnet werden konnte. An mancher dieser Uhren traten allerdings später Störungen auf, die jedoch niemals durch das Konstruktionsprinzip der Uhren, sondern durch äußere Einflüsse veranlaßt waren.
Lössl hat in späteren Jahren auch eine Korrektureinrichtung in der Weise geschaffen, daß um 12 Uhr mittags, bei Sonnenlicht, ein durch ein Brennglas fallender Lichtstrahl die Uhr regulierte, sofern sie eine Abweichung zeigte. Alsbald erhielt er auch verschiedene vorteilhafte Anträge deutscher, englischer und amerikanischer Firmen für die Fabrikation der Uhren, die er jedoch ablehnte, da er Wien als Wohnsitz nicht aufgeben wollte.
Lössls autodynamische Uhren erhielten in den späteren Jahren durch die Vervollkommnung der elektrischen Uhren eine starke Konkurrenz. Bei diesen, die um die Jahrhundertwende, von einer Zentraluhr aus gesteuert, zuerst in den Bahnhöfen eingeführt wurden, war ein Aufziehen ebenfalls nicht nötig. Der Hauptvorteil der LössLschen Erfindung war also auch bei diesen Uhren vorhanden. Es war auch in diesem Fall so, daß der, welcher der Zeit um Jahrzehnte vorausgeeilt war und ein technisches Problem gelöst hatte, vom technischen Fortschritt überholt wurde. Lössl war keineswegs blind für diese Entwicklung; er bemerkte sehr wohl die Vorteile der elektrischen Uhren und stand ihnen in sachlicher Erkenntnis gegenüber.
Das Jahr 1880 brachte den Abschluß der Tätigkeit Lössls auf dem Gebiet des Bähnbaues. Die Mühlkreisbahn war die letzte Trassierung, die er durchführte. Er hatte 46 Jahre auf diesem Gebiet gearbeitet und mit Fleiß und Regsamkeit eine große Zahl von Bahnprojekten ausgeführt. Durch diese Tätigkeit war er wohlhabend geworden; denn die Projekte wurden im allgemeinen gut bezahlt und nur selten mußte er nach der Beendigung einer Arbeit prozessieren, um zu seiner Entlohnung zu kommen. Aber auch die festen Anstellungen als Ingenieur waren gut honoriert. Deshalb war es Lössl möglich, obwohl auf ihm die
Tedmikgeschlcbte, 10. Heft.
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