Aufsatz 
Die Arbeiten Friedrich Ritter von Lössls auf aerodynamischem und flug-mechanischem Gebiet / Ernst von Lössl
Entstehung
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Ernst von Lössl: Die Arbeiten Friedrich Ritter von Lössls.

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richtigen Faustformeln führten. Es sei vorweggenommen, daß auch heute eine allgemein gültige Widerstandstheorie noch nicht gefunden ist.

Hinzu kam, daß zu Widerstandsforschungen, welche im 17. und 18. Jahr­hundert starke Anregung durch die allgemeine Mechanik, die Ballistik und den Schiffbau erfuhren, im 19. Jahrhundert keine Veranlassung vorlag, bis, ziemlich plötzlich, die sich ankündigende Flugtechnik wieder starkes Interesse hierfür weckte. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Luftschiffe ihre ersten Erfolge und 1865 brachte wohl eine Propagandaschrift von NadarLe droit au vol den Stein ins Rollen, ln Frankreich erschien die flugwissenschaftliche ZeitschriftLaero- naute 1868; in England wurde 1865 dieAeronautical Society of Great Britain^ die sich mit dem dynamischen Flug beschäftigen sollte, gegründet. Sodann bekam wiederum die Ballonluftschiffahrt, hauptsächlich infolge der militärischen Inter­essen und Notwendigkeiten, die Oberhand, konnte aber das einmal geweckte In­teresse am dynamischen Flug nicht mehr zum Erliegen bringen. In den Siebziger­jahren bewiesen fliegende Modelle von Dandrieüx, Forlanini und vor allein Penaud die Möglichkeit des Kunstfluges und kurz darauf gelangen Otto Lilienthal die ersten Gleitflüge. Er war nach langer Pause der erste, der meß- technische Arbeiten von großer Ausführlichkeit durchführte und sich damit auch den Erfolg sicherte. Seine Ergebnisse sind in dem bekannten WerkDer Vogel­flug als Grundlage der Fliegekunst, Verlag R. Gaertner, Berlin 1889, nieder­gelegt, dessen Vergleich mit dem oben zitierten Werk Lössls von besonderem Reiz ist, weil beide derPionierzeit im engeren Sinn angehören und andere Werke von Bedeutung damals nicht erschienen sind. 1877 wuide unter Mit­wirkung Lössls der Wiener Flugtechnische Verein gegründet, dem auch Kress angehörte.

Es bleibt also festzuhalten, daß Lössl keine brauchbare Theorie des Luft­widerstandes und Auftriebes vorfand, dagegen war durch Messungendes 18. Jahr­hunderts (Borda, Beaufoy, Vince, Hutton, Duruat) nadhgewüesen worden, daß Widerstand nicht allein auf der Vorderseite der Körper entsteht, so daß die Ausbildung der Rückseite belanglos ist, sondern daß auch die Rückseite stark beteiligt ist im Gegensatz zur weitverbreiteten Stoßtheorie von Newton (Prin- cipia, London 1687). Diese Messungen lagen aber ein Jahrhundert zurück.

Nur aus dieser Situation heraus ist vieles bei Lössl ebenso wie auch bei Otto Lilienthal zu verstehen. Es ist heute einfach, eine nur auf Vorder­seitenwirkung aufgebaute Luftwiderstandstheorie zu belächeln, nachdem im Jahre 1904 durch die PRANDTLsche Grenzschichttheorie die Kluft zwischen de­duktiven und induktiven Methoden geschlossen und daraufhin durch Lanchester, Kutta, Joukowsky und vor allem den Göttinger Kreis das ganze Gebäude der Tragflügeltheorie aufgebaut worden war. Es gehört ein erhebliches geschicht­liches Abstraktionsvermögen dazu, um einenvorgeschichtlichen Forscher heute richtig einzuschätzen.

Vor Betrachtung von Forschungsergebnissen sei ein Blick auf die Meßver­fahren Lössls geworfen.

Der für Auftriebs- und Widerstandsmessungen am meisten verwandte zwei­armige Rundlaufapparat mit Doppeigewiohtantrieb war nicht neu, er wurde, von