Aufsatz 
Die Arbeiten Friedrich Ritter von Lössls auf aerodynamischem und flug-mechanischem Gebiet / Ernst von Lössl
Entstehung
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Ernst von Lössl

einigen Verfeinerungen abgesehen, schon von 0. Lilienthal 1866 and Hagen 1874 angewandt. Wahrscheinlich 1st, daß Lössl ihn selbständig nacherfunden hat.

Neu war ein einarmiger Rundlaufapparat für Luftschrauben mit Fallgewicht zum Antrieb der Modellschraube im Mast des Rundlaufes. Ergebnisse sind nicht mitgeteilt worden, da es sich um die letzten, nicht zum Abschluß gelangten Mes­sungen Lössls handelt. Nach seinem Tod 1907 wurde dieser Apparat im Labo­ratorium seines Hauses in Aussee mit Modell-Luftschraube und halb ausgefüllten Meßblättern vorgefunden.

Ebenfalls neu war ein den 'bereits von Newton angewandten Fallversuchen ähnliches Verfahren für genaue Widerstandsmessungen, wobei eine zweiarmige Waage am einen Arm das Modell und am anderen eine auswechselbare Kreis­scheibe als Vergleichswiderstand trägt. Die Waage wurde durch Fallgewicht und Flaschenzug in dem zu diesem Zweck gebauten Turm seines Hauses (S. 13, Bild 4) hochgezogen und oben durch eine angehobene Bremskette als Gegen­gewicht abgestoppt.

'Bei Betrachtung der wichtigsten rechnerischen und Meßergebnisse

muß mit dem grundlegenden Gesetz des Widerstandes einer normal

zu ihrer Ebene angeströmten Platte begonnen werden. Lössl hat hierfür

die Luftwiderstandsformel , v

p _ v *V

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abgeleitet. (P = Widerstand, F Plattenfläohe, v = Fluggeschwindigkeit, y = Luftwichte, g = Erdbeschleunigung). Das Gesetz wuixle in ähnlicher Form bereits für Kugeln von Newton angewandt,

P = 7 v 2 D 2 9

(D = Kugeldurchmesser), was begreiflich ist, da beide Formeln den Stoß von Luftteilchen gegen den Körper der Ableitung zugrunde legen und Widerstand = = sekundlicher Impuls setzen. Im einzelnen geht aber Lössl doch anders vor als Newton: Er sagt, daß beim sekundlichen Fortschritt der Platte um die Strecke v ein Luftzylinder F . v beiseite geschoben werden muß und daß diese Luftmasse außerhalb der Platte noch eine gleich große Luftmenge (Corona) verdichten muß, um für sich Platz zu schaffen. Auf der Stirnseite der Platte nimmt er einen unter 45° abgeböschten, zur Platte in Ruhe befindlichenLuft­hügel an, so daß das seitliche Ausweichen der Luftteilchen mit der Geschwindig­keit v erfolgt. Mit diesen Annahmen entsteht die obige Formel, diefür vorne hohle Flächen (Platten mit vorstehendem Rahmen, Halbkugel) durch die Rund­laufversuche bestätigt wird. Die Einführung eines Beiwertes lehnt Lössl für diese Fälle ab.

Es ist dazu zu bemerken, daß Rundlaufversuche zu hohe Beiwerte liefern und daß mit Windkanalversuchen sich ein Bei wert c w « 0,7 statt c w = 1 er­gäbe. Dies konnte aber Lössl nicht wissen. Für ihn liefert seine Vorstellung des Vorganges eine richtige Formel. Im übrigen sind in der Diskussion der­selben die einzelnen Größen richtig erklärt, vor allem v 2 als aus dem sek. Im­puls m v, wobei m = F v ist, herrührend bezeichnet.