Aufsatz 
Die Arbeiten Friedrich Ritter von Lössls auf aerodynamischem und flug-mechanischem Gebiet / Ernst von Lössl
Entstehung
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Die Arbeiten Friedrich Ritter von Lössls.

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Man hat Lössl vorgeworfon, daß er auf Newtons bereits als falsch erkann­ten Wegen wandelt und daß einStauhügel nicht vorhanden sei. Es ist aber zu bedenken, daß er sich eine zu einer Faustformel führende Vorstellung des Vor­ganges machen mußte, um seine Meßergebnisse zusammenzufassen und daß eine richtige Widerstandst he orie damals gar nicht auffindbar war. Es ist viel­leicht der größte Fehler von Lössl, daß er seine Arbeitshypothesen nicht als solche bezeichnet; dabei hater wohl gefühlt, daß seine Annahmen nur ein Schema des Vorganges darstellen, da er z. B. über dieCorona sagt:Sie (die Begren­zung der Corona) ist jedoch nicht als eine in der Natur wirklich vorhandene Contour, sondern nur als eine ideelle Grenzlinie aufzufassen, bis zu welcher die Anfangsgeschwindigkeit de® 'bewegten Luftkörpers sich erstreckt, sowie auch die gezeichnete Compression der Luftteilchen nicht an dieser Grenze plötzlich auf­hört, sondern von der Trennungsebene des Lufthügels beginnend, sich über die Linie hinaus allmählich verliert (S. 56 der LössL&chen Arbeit).

Es ist lamzunehmen, daß er auch an eine scharfe Trennfläche zwischen einem stehenden Lufthügel und der Strömung nicht geglaubt hat, weil er über die Reibungsschicht z. B. sagt:Der Körper ist gewissermaßen, von Luft benetzt, wie er auch von Wasser benetzt sein kann. Wenn der Körper sich nun durch das Luftmedium bewegt, oder die Luft an ihm vorüberstreicht, so findet keine un­mittelbare Berührung zwischen der bewegten Luftmasse und den Körperflächen statt, sondern es bildet sich zwischen der fortschreitenden Luft und dem stabilen Lufthäutchen eine weitere Luftdichte oder Lufthülle, innerhalb welcher der Über­gang von Ruhe in Bewegung stattfindet, so daß die innersten Teilchen feststehen, die äußersten an der Bewegung sich völlig beteiligen und die mittleren einen all­mählichen Übergang bewerkstelligen. Die Reibung selbst vollzieht sich also immer nur zwischen Luft und Luft, und consumiert bei der äußerst flüssigen und (beweglichen Beschaffenheit dieser Materie eine ebenfalls äußerst geringe motorische Kraft. Bei rauhen und unebenen Körperflächen findet keine Ver­mehrung des Reibungswiderstandes statt; denn das besagte Lufthäutohen bedeckt in größerer Dicke die Rauheit oder Unebenheit und glättet sie, so daß wieder die Reibung nur zwischen Luft und Luft vor sich geht (S. 68/69).

Es wurde etwas ausführlicher zitiert, w r eil diese Ausführungen über die Reibungsschicht einen großen Einblick in deren Struktur verraten.

Zur Luftwiderstandsformel ist also abschließend festzustellen, daß sie nach heutiger Erkenntnis ohne Bei wert einen zirka 30°/o zu hohen Wert ergibt, was aus ihrer Eigenschaft als Impulsformel resultiert. Mit Hinzunahme eines Bei­wertes ist sie die allgemeine Formel für den Druck- oder Formwiderstand.

Weiterhin hat Lössl den schiefen Luftstoß gegen ebene Platten unter­sucht, als Grundlage der Luftkräfte am Tragflügel.

Mit einer Überlegung, die wir heute alsplastischen Stoß bezeichnen (Lössl vergleicht mit einemzerquetschten Balken, S. 96) kommt er zur Normalkraft auf der Fläche

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N = v 2 F sin« --- (oc = Anström wüikel)