Aufsatz 
Die Arbeiten Friedrich Ritter von Lössls auf aerodynamischem und flug-mechanischem Gebiet / Ernst von Lössl
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen

Die Arbeiten Friedrich Ritter von Losses.

29

nik entwickelt hat. Er hat im Gegenteil eine ungeheure meßtechnische Arbeit ge­leistet, welche damals, wo unser Haupthilfsmittel, der Wdndkanal, noch nicht bestand, eine starke Geduldsprobe bedeutet (Bild 8). Ebenso hat er sich für alle praktischen Flugversuche stärkstens .interessiert und z. B. mit Kress zu­sammengearbeitet, den er wiederholt in seinem am Tullnerbacher Stauweiher ge­legenen Flugzeugbauschuppen besuchte. Daß er nicht selbst an die Erbauung eines Versuchsflugzeuges heranging, liegt wohl in seinem hohen Alter begründet.

Vergleicht man Lössl mit 0. Lilienthal, so ist bei diesem vor allem eine stärkere Ausrichtung auf eine Nachahmung des Vogelfluges zu bemerken. Seine Messungen sind teils am Kundlaufapparat, teils im natürlichen Wind mit seinen besonderen Eigenschaften ausgeführt und auch die Berechnung der notwendigen Flugarbeit wird bei ihm ganz anders, nämlich entweder im Hinblick auf einen Segelflug ohne Energiezufuhr unter Berücksichtigung derAufkomponente des Windes oder für den Ruderflug vorgenommen. Die Arbeiten beider ergänzen sich daher. Das größere Verdienst um die Klärung der Hauptfragen liegt allerdings unbestritten bei 0. Lilienthal durch die Messung der gewölbten Flügelprofile und die übersichtliche Diagrammdarstellung der Ergebnisse sowie vor allem durch seine praktischen Flüge. Lössl hat, trotzdem sein Werk sieben Jahre nacli demjenigen von 0. Lilienthal erschienen ist, auf diese Versuche mit gewölbten Flächen gar nicht zurückgegriffen. Das Werk 0. Lilienthals hat er natürlich genau gekannt, wie auch aus der Übernahme einer Abbildung hervorgeht (S. 29). Es mag dies daran liegen, daß er einfach darstellbare Gesetze für Auftrieb und Widerstand finden wollte ohne Belastung durch verwirrende Koeffizienten; dazu schienen ihm die gewölbten Profile wegen ihrer Mannigfaltigkeit ungeeignet. Tatsächlich konnte man ja auch bis vor etwa 20 Jahren dasPolardiagramm solcher Profilmessungen nicht durch eine Gleichung wiedergeben, bevor nicht das Gesetz des induzierten Widerstandes gefunden war. Daß Lössl sich in er­folgversprechender Richtung bewegte, zeigt gerade auch sein Gesetz desAuf­triebswiderstandes. Daß es dem unermüdlichen Mann nicht vergönnt war, den Durchbruch der Flugidee voll zu erleben, ist eine Fügung des Schicksals, das ihn eine Generation zu früh leben ließ.

Quellennachweis.

Tagebücher Friedrich Ritter von Lössls.

Selbstbiographische Abhandlungen Friedrich Ritter von Lössls.

Friedrich Ritter von Lössl,Die Luftwiderstandsgesetze, der Fall duieh die Luft und der Vogelflug, Wien 1896.

3*