Wilhelm Kress.
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erst begann, durch selbsttätige Bildung der den größten Wirkungsgrad ergebenden Flügelflächenform eine heute kaum mehr erfaßbare Bedeutung.
Nodh im Laufe des Jahres 1876 gelang es Kress, ein von ihm hergestelltes Modellchen aum freien Flug zu bringen. Es muß der größte Augenblick in Kress’ Leben gewesen sein, als dieses spielzeugartige Nichts — als das erscheint es uns heute — freifliegend die Hand des nun Vierzigjährigen verließ. Er glaubte sich in berechtigtem Stolz auf das Erreichte wohl am Tor zum Ziel seiner Wünsche und ahnte sicher nicht, daß ihm nodh ein weiter Lebensweg des Verkanntseins,
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Bild 2. „Das erste freiiliegende Modell eines Drachenfliegers (Monoplane) aus dem Jahre 1877.“ Eigenhändige Beschriftung von Kress.
der Mühsale bevorstände, der ohne den Genuß jenes Triumphes, der ihm eigentlich gebührt hätte, enden sollte.
Nachdem es Kress ein Jahr später gelungen war, ein weitaus verbessertes Flugmodell fertigzustellen, entschloß er .sich, es vorzuführen. Dieses im Frühling 1877 fertiggestellte Modell (Bild 2) — es hatte die Bauart des heute im Wiener Technischen Museum verwahrten — war sauber und sachgemäß gearbeitet. Die Bügel und Rippen waren teilweise aus gespaltenem Bambusrohr, teilweise aus Draht hergestellt. Es besaß vorne eine weit ausgespannte Tragfläche, hinten eine zu Steuerzwecken verstellbare waagrechte Stabilisierungsfläche und unter dieser eine einstellbare senkrechte Seitensteuerfläche. Je ein Gummischnurmotor, an dessen hinterem Ende je ein Fahnenpropeller angeordnet war, hatte rechts und links einer Mittel Versteifung Platz unter der Tragfläche gefunden. Hier waren auch zwei federnde Schlittenkufen angeordnet. Diese ermöglichten den Ablauf und das bis dahin selbst vom einzig erfolgreichen Vorgänger Kress’, von Penaud niemals erzielte selbständige Aufsteigen in die Luft sow r ie ein für den Apparat gefahrloses