Aufsatz 
Wilhelm Kress : ein österreichischer Pionier der Luftfahrt / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kürzel-Runtscheiner

Aiifsetzen am Ende des Fluges. Der Sicherung des Modells diente auch ein am vorderen Ende der Mittelversteifung angebrachter Puffer, der den Stoß beim Auf­treffen auf eine Wand milderte und ein unverletztes Herabsinken des Apparates auf den Boden einleitete. Es war dies eine Einrichtung, die bei der zunächst einzig geübten Erprobung und Vorführung in geschlossenen Räumen unerläßlich war. Diese Vorrichtung war aber auch Voraussetzung für das selbständige Auf­steigen in die Luft. Denn sie diente, wenn sie nach dem Drehen der Luft­schraube in der dem Ablauf während des Fluges entgegengesetzten Richtung «zurückgeschoben wurde, als Hemmung für den dadurchaufgezogenen Gummistrangmotor; beim Vorziehen des Puffers setzten sich dann die damit freigewordenen Luftschrauben in Bewegung und der Start ging selbständig vor sich.

Dieses von Kress in langwieriger Arbeit entwickelte Modell war tatsäch­lich schon dielenkbare Flugmaschine, als die Kress es bezeichnete. Denn dieses Modell flog nach Aufsteigen von einer Tischfläche nicht nur in leicht ansteigender Bahn geradeaus, sondern bei richtiger Einstellung des Seiten­steuers auch in kreisähnlichen Kurven und erwies sich bei sachgemäßer Be­handlung als völlig kippsicher. Es ist erstaunlich, in welch sicherer Voraus­sicht Kress, der 1877 bis 1879 völlig neuzeitlich anmutende Flugmaschinen- Bauarten entworfen hat, deren erste ein Seitensteuer, deren zweite ein Seiten- und ein Höhensteuer besaß, der damals schon wußte, daß Flugmaschinen gegen den Wind aufzusteigen haben, die Flugeigenschaften der von ihm erdachten Apparate darzulegen verstand. Diese werden in dem für den Militärattache Deutschlands in Wien, Graf von Kessel am 15. Juli 1877 ausgefertigten Schrift­satz wie folgt bekanntgegeben:

1. Es steigt nicht senkrecht hinauf, sondern in schräger Linie und bedarf gewissermaßen eines Anlaufs. Seine normale Fortbewegung ist horizontal und Steigen wird nur durch das Steuer C bewirkt. Wie groß die Steigung sein kann, hängt von der Geschwindigkeit der Fortbewegung ab, was Avieder von der Kraft des Motors im Verhältnis zu dem Gewichte des Luftschiffes einerseits und der Größe der zu verdrängenden Luft auf seiner Bahn ander­seits abhängt.

2. Es ist eine Bedingung für mein Luftschiff und die Folge des im Punkt 1 Gesagten, daß es sich auf dem Wasser oder auf dem Lande fortbewegen muß können.

3. Mein Luftschiff ist von der Luftströmung, bis zu gewissem Grade, un­abhängig. Da es kein Ballon ist, sondern sich durch eigene Kraft, wie der Vogel, mit außerordentlicher Geschwindigkeit fortbewegt. Da aber bei einer eigenen Fortbewegung, das Steuern nicht mehr die geringste Schwierigkeit bietet, so kann es in jeder beliebigen Richtung fliegen. Nur bei einem con- trairen Winde von außergewöhnlicher Stärke, welcher die Fortbewegung des Luftschiffes übertreffen würde, wäre die Fortbewegung des letzteren der Erde gegenüber natürlich aufgehoben, wie etwa ein Boot auf einem Flusse, wenn es den starken Strom nicht bewältigen kann; dagegen wäre eine günstige Wind­richtung der Fortbewegung des Luftschiffes beizuaddiren.