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Erich Kurzel-Runtscheiner
des Maschinenbaues der Brunner Technischen Hochschule und selbst Pionier des Flugwesens, bald darauf die Übersendung eines von Kress gebauten Modells an seine Brünner Adresse erbat. In dem sich daraus ergebenden Briefwechsel, richtete Kress an Wellner die Frage, ob dieser einen „Dampfmotor mit 5'kg per Pferd“ für möglich halte. Wellner antwortete hierauf am 1. Juli 1881, ein derartiger Motor lasse sich „bei enorm raschem Gang immerhin denken“ und bestätigte Kress’ Ansicht, „dieser würde die Ausführung des Drachenfliegers in größerem Maßstabe ermöglichen“. Zugleich bezweifelte Wellner aber, daß zur Zeit tatsächlich eine Kraftmaschine bestehe, die den Angaben des Erfinders, daß sie je 1 PS Leistung 8 kg wiege, entspreche und fährt fort: „Immerhin würde es mich interessieren, diese leichte kräftige Maschine am Löben zu sehen.“
Diese Bemerkung Wellners beweist, daß'im Jahr 1881 selbst die Forderung nach einer Kraftmaschine, die je 8 kg Gewicht eine Leistung von 1 PS abzugeben imstande ist, dem Fachmann nur als ein erst nach Jahren oder Jahrzehnten erfüllbarer Wunschtraum erscheinen mußte. Um wieviel weniger erfüllbar mußte damals die Forderung Kress’ nach einem Motor sein, der je geleistetes PS nur 5 kg wiegen sollte. Daß Kress diese Forderung stellen mußte, wenn er ehrlich rechnend den von ihm erdachten „großen Drachenflieger“ konstruktiv entwerfen wollte, das eben war die Tragik in seinem Erfinderschicksal. Das ist auch die Tatsache, die die Zeitgenossen berechtigte, Kress für einen Phantasten zu halten. Zu seiner Rechtfertigung sei aber darauf hingewiesen, daß er in der Erwartung, daß die Kraftmaschinentechnik den Motor, den er für die Verwirklichung seiner Pläne benötigte, bald geschaffen haben werde, eigentlich nichts anderes getan hat, als Karl von Ghega, als dieser den Plan der Überschienung der S-emmeringbahn als Adhäsionsbahn zu einem Zeitpunkt entwarf, als die Lokomotivbauart, mit der diese Bahnlinie befahren werden konnte, noch nicht erdacht war. Der Unterschied zwischen den beiden ist nur der, daß Kress von der Kraftmaschinentechnik im Stich gelassen wurde, während Ghega, noch bevor sein Bahnbau beendet war, vom Lokomotivbau seiner Zeit die erforderliche Gebirgslokomotive zur Verfügung gestellt bekam. Jedenfalls zeugt es für Kress, daß >er schon 1881 jene Verhältniszahl zwischen Motorgewicht und Motorleistung errechnet hatte, an der er dann bis zuletzt festhalten konnte, eine Verhältniszahl, die, wäre sie 20 Jahre später — als Kress seinen großen Drachenflieger fertigstellte — im Kraftmaschinenbau Europas zur Wirklichkeit geworden, diesem Pionier der Luftfahrt jenen Erfolg wohl gesichert hätte, der ihm niemals zuteil werden sollte.
Die Erstlingserfolge, die Kress erreicht hatte, waren für ihn ein Ansporn, seine flugtechnischen Versuche eifrigst fortzusetzen. Dazu benötigte er aber Geldsummen, die weit über das hinausgingen, was er als musikalisch und handwerklich hochgebildeter Klavierstimmer in der Musikstadt Wien verhältnismäßig leicht verdiente. Kress glaubte nun, durch eine Erfindung im Rahmen seines eigentlichen Fachgebietes — die einzige dieser Art, die er jemals machte — größere Geldsummen erwerben zu können, wobei er beabsichtigte, diese für flugtechnische Versuche sofort zu verausgaben. Diese Überlegung