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Erich Kürzel-Runtsciiein er
gebliebene „Oocon“ befindet sich unter den Schaustücken der KRESS-Vitrine des Wiener Technischen Museums; es wurde 1945 vom Kustos dieses Instituts Wilhelm König im Depot aufgefunden, wo es durch Jahrzehnte unerkannt in seinem Futeral gelegen hatte.
Seit dem Herbst 1887 fanden sich die an der Flugtechnik interessierten Kreise Wiens im „Flugtechnischen Verein“ zusammen. Dieser hätte, da ihm zahlreiche begeisterte Mitglieder angehörten, von denen viele praktisch arbeiteten und da ihm auch die Kenntnisse der theoretisch vorzüglich geschulten Mitglieder der „Fachgruppe für Flugbeohnik“ des Österreichischen Ingenienr- und Architekten-Vereins zur Verfügung standen, Großes leisten können, wäre er nicht in den ersten Jahren nach Gründung durch den Mangel an eigenen Geldmitteln zu wenig fruchtbringendem Debattieren verurteilt gewesen.
Über diese Wortgefechte der Mitglieder, unter denen Kress der einzige war, der sich planmäßig mit dem Bau von Flugzeugmodellen befaßte, und über die Einstellung, die jene zu der von diesem vertretenen Überzeugung hatten, daß im Drachenflieger die Lösung des Flugproblems gefunden sei, berichtet Victor Silrerer in dem von ihm am 26. Juni 1904 im Heft 51 seiner „Allgemeinen Sportzeitung“ veröffentlichten Lebensbild „Wilhelm Kress“ wie folgt: „Sowohl in der Fachgruppe als auch in dem Flugtechnischen Verein gab es nur wenige Anhänger des Drachenfliegers, zu denen aber Friedrich Ritter von Lössl 2 zählte. In dem ersten Jahrzehnt des Bestandes des Flugtechnischen Vereins gab es mehr Anhänger des Ruder-, Schrauben- und Wellenfluges, ausnahmsweise auch Anhänger von lenkbaren und entlasteten Ballons. Die meisten kämpften für ihre Idee mit einem großen Aufwand von mathematischen Formeln. Es passierte, daß in kurzer Reihenfolge der eine Vortragende auf ,Wissenschaftlicher Basis 4 genau nacliweisen wollte, daß, wenn erst eine gewisse Höhenlage mit einem Flugapparate erreicht ist, zum weiteren Fluge dann gar keine Arbeit mehr zu leisten ist, während schon der nächste Vortragende auf ebenso ,wissenschaftlicher Basis 4 genau vorrechnete, daß man wenigstens 180 PS brauche, um einen einzigen Menschen ohne Ballon durch die Luft tragen zu können. Kress experimentierte und studierte inzwischen ruhig in seinem Atelier jetzt auch Ruder-, Schrauben-, Segel- und Wellenflug, baute dabei gelungene Modelle des Ruderfliegers und überzeugte sich, daß auch der Ruderflieger einen Erfolg verspreche, daß jedoch der Drachenflieger allen anderen Systemen vorzuziehen sei.“
So überzeugt Kress aber davon ist, daß der Drachenflieger die Lösung ist, so klar ist ihm aber auch, daß eine Verwirklichung seiner Ideen, die über die modellmäßige hinausgeht, nur dann zu erwarten ist, wenn der Kraftmaschinenbau ihm den „leichten Motor“ beistellen wird, den er sucht und sucht, aber nicht finden kann.
Die Erkenntnis, daß von anderer Seite in nächster Zeit wohl kaum die Schaffung eines Motors zu erhoffen sei, den Kress für seinen Drachenflieger benötigte, führte ihn dazu, sich auch auf dem Gebiet des Motorbaus als Erfinder zu versuchen. Dies beweist eine größere Zahl von Skizzen, die in dem reichhaltigen, die Jahre 1875 bis 1913 umfassenden ..KRESS-Archiv“ des Wiener