Wilhelm Kress.
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Technischen Museums verwahrt sind. Aus diesen erkennt man, daß Kress seinen Motor als „Rotations-Motor“ zu entwickeln versuchte, der als eine Art Gasturbine gedacht -war. Die in diesen Skizzen festgehaltenen technischen Gediankengänge sind allerdings 'über zeichnerische Versuche, die in den Jahren 1888 bis 1890 entstanden ©ein dürften, nicht hinausgegangen und wurden wohl bald aufgegeben. Andere 'Entwürfe, die in eben diesem Archiv erhalten sind, zeigen, daß sich Kress auch mit Erfindungsgedanken auf dem Gebiet der Wasserfahrzeuge beschäftigte. Ein „Hydroped“ und später eine „Wasserdraisine“, ein „elektrischer Wasseromnibus“ sollten entwickelt werden.
Trotz der Erfindungsgabe, die auch diese Gedankenarbeit Kress’ beweist, zeigen diese Versuche doch, daß sich der Erfinder damals an einem Punkt der Entwicklung angelangt sah, von dem aus es für ihn beim damaligen Stand der Technik ein rasches Vorwärtsschreiten nicht gab. Es ist die einzige Zeit im Leben Kress’, in der er, von der Geradlinigkeit seines Streben© abweichend, ©ich auf Nebengeleise verlor. Immerhin aber hatte ihn die Beschäftigung mit den verschiedenen Möglichkeiten der Lösung des Flugproblems zur klaren Erkenntnis verholfen, daß das Flugzeug der Zukunft zum Typus „Drachenflieger“ gehören werde. Dieser Überzeugung gab Kress auch in einem Vortrag Ausdruck, den er im Rahmen des Flugtechnischen Vereins am 15. Dezember 1891 im Großen Saal des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Ver- eins hielt. Er konnte bei diesem Vortrag nicht bloß die schon bekannten Modelle des Drachenfliegers, sondern auch freifliegende Modelle von Schwingenfliegern und Schraubenfliegern und — in Skizzen wenigstens — Schwirrflieger vorführen. Trotzdem hielt Kress auch bei dieser Gelegenheit mit seiner Ansicht durchaus nicht zurück, daß nur dem Drachenflieger die Zukunft gehören könne. Allerdings hat sich Kress gerade in dieser Zeit auch ernsthaft mit dem Problem des Muskelkraftfluges beschäftigt. Dies geschah wohl auch in jener Stimmung der Hoffnungslosigkeit, in die ihn die immer wieder in weite Ferne entschwindende Aussicht gestürzt hatte, den Motor zu erhalten, den er für seine Pläne brauchte. Die Ergebnisse der Studien über den Muskelkraftflug hat Kress darin in einem am 21. März 1893 im Wiener Flugtechnischen Verein gehaltenen Vortrag „Der persönliche Kunstflug“ bekanntgegeben. Diese Gedankengänge, die den Muskelkraftflug als möglich erscheinen lassen und die Bauskizze eines Muskelkraftflugzeuges wurden noch im selben Jahr in der in Berlin erscheinenden „Zeitschrift für Duftschiffahrt und Physik der Atmosphäre“ veröffentlicht, die auch weiterhin ein Sprachrohr der von Kress vertretenen Gedanken geblieben ist.
Im selben Jahre lieferte Kress auch zu der von Octave Chanute 3 angeregten und geleiteten Luftfahrttagung, die anläßlich der AVeltausstellung in Chicago 1893 in dieser Stadt stattfand, drei in englischer Sprache geschriebene bebilderte Beiträge: „A Theorie of Sailing Flight“, „Aerplanes and Flapping Flying Machines“ and „Note on the Elastic-Screw“.
Da in der Wechselrede dieser Luftfahrertagung — sie fand vom 1. bis 4. August 1893 in Chicago statt — Einwendungen gegen Kress’ Ansichten erhoben wurden und diese in den „Proceedings“, die 1894 in New York er-