Wilhelm Kress.
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aufs wirksamste unterstützt worden. Die „erlauchtesten Namen“ der Journalistik jener Tage zeichneten jene Artikel, die insbesondere in der Bauzeit des großen Drachenfliegers über diesen Vorgang berichteten.
Inzwischen mußte sich Kress noch damit begnügen, durch eine lebhafte Vortragstätigkeit das Zeitalter des praktischen Fluges vorzubereiten. So hielt er am 21. Jänner 1895 im Wiener Flugtechnischen Verein einen Vortrag ,jüber die Stabilität des Drachenfliegers in ruhiger und bewegter Luft“, der ein Jahr später in der Berliner „Zeitschrift für Luftfahrt und Physik der Atmosphäre“ veröffentlicht wurde. So konnte er am 27. März 1897 in Straßburg einen Experimentalvortrag abhalten, an dem der Statthalter Fürst Hohenlohe sowie viele Gelehrte und Offiziere teilnabmen.
Bild 6. Wilhelm Kress während eines Vortrages mit [seinem freifliegenden Modell.
Im Jahre 1895 meldete Kress am 15. Februar ein österreichisches Privilegium „Kaptivschraube“ an und erreichte dessen Erteilung am 1. August desselben Jahres. Die Österreichische Heeresverwaltung interessierte sich für diesen elektromotorisch betriebenen Sdhraubenflieger. Es kam jedoch nicht zu wirklichen Erfolgen und zur praktischen Verwertung dieses Erfindungsgedankens. Der bei dieser Gelegenheit von Kress verwendete Antrieb gegenläufiger Hubschrauben Autet heute wie eine Vorahnung einer erst in den letzten Jahren zu der ihr gebührenden Stellung gelangten Bauform des Propellerantriebes an.
Im Sommer 1896 besuchte Kress die damals in Berlin eben stattfindende Weltausstellung. Bei dieser Gelegenheit lernte er den berühmten Pionier des Segelfluges Otto Lilienthal 6 kennen. Dieser lud Kress nach Lichterfelde zum Besuch seines „Sprunghügels“ ein. Hier führte Lilienthal Kress, wenige Wochen vor dem am 9. August 1896 erfolgten Absturz, der seinen Tod zur Folge hatte, fünf Gleitflüge vor (drei mit Eindecker, zwei mit Doppeldecker).
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