Wilhelm Kress.
47
maschine dem Beschauer darbot, berichtet die in Frankfurt a. M. damals erscheinende „Kleine Presse“ in ihrer Nummer vom 7. Mai 1901: „Der Apparat macht auf den ersten Blick den Eindruck eines kolossalen Vogels, der sich mit ausgebreiteten Schwingen niedergelassen hat. Weiße Leinwand über starke Eisenrippen gespannt und ein schlittenförmiger Unterbau aus Aluminium fallen einem zuerst ins Auge, dann sieht man die Steuervorrichtung am Hinterteil des Drachenfliegers, die Luftschraubenvorrichtung nahe dem erhöhten Platz für den Lenker des Fahrzeuges und ein ganzes System von Stahlstäben, die die Flügel und den Unterbau dieses Riesenvogels bilden. Auf einen Hebeldruck des Erfinders setzte sich das rückwärts befindliche Horizontal- und Vertikalsteuer gleichzeitig in Bewegung. Der Erfinder betonte, daß er durch die-
mmm
!%***#
Bild 7. KRESSscher Drachenflieger in Tullnerbach. (Photographische Aufnahme 1901.)
sen Druck steigen oder fallen, rechts oder links fahren könne ... Eine Person allein genügt, um das Steuer zu handhaben, und Kress wird allein die ersten Flüge Unternehmern Der Apparat soll ein Gesamtgewicht von 670 kg haben, seine Tragfähigkeit aber soll bei 10 m Geschwindigkeit 600 kg, bei 20 m schon 2400 kg ausmachen ... Herr Kress erstrebt nur eine Geschwindigkeit von 25 m per Sekunde, aber es ist ihm zweifellos, daß andere nach ihm bis 50 m Geschwindigkeit erzielen werden, wie er denn auch als alter Mann keine großen Luftreisen mit dem Drachenflieger zu machen gedenkt. ,Nach mir 1 , meint Herr Kress, ,werden dann Jüngere den Ozean mit dem Drachenflieger überqueren können 4 “ (Bild 7).
Das Entscheidende für das Gelingen des KRESSschen Versuches war es, einen Motor so geringen Gewichtes je Pferdestärke zu erhalten, wie ihn der Erfinder seinen Berechnungen zugrunde gelegt hatte (5 kg je 1 PS). Einen solchen Motor gab es jedoch damals noch nicht. Schon der Umstand, daß ein österreichischer Motorenbauer versprach, einen Motor von 20 PSe mit einem PS-Gewicht von 10 kg zu liefern, kam 1899 dem Komitee erwünscht. Aber ein Jahr später mußte man endlich erkennen, daß die Lieferung eines einwandfrei arbeitenden Motors von diesem Erzeuger nicht erwartet werden konnte. Da bot eine in Baden bei Wien ansässige Automobilfabriik Kress die leihweise Über-