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Erich Kürzel-Runtscheiner
lassung eines Motors an, der bei 200 kg Gesamtgewicht 9 PSe leisten sollte. Dieser Motor wurde eingebaut, ergab aber nur eine Antriebskraft von 7 PSe. Trotzdem begann Kress mit diesem unzulänglichen Motor die ersten Fahr- versuöhe auf dem Wasser.
Ende des Jahres 1900 wandte sich Kress dann an Gottlieb Daimler, dessen Werkstätte in Cannstatt die berühmteste Automobil- und Verbrennungskraftmaschinenfabrik jener Zeit war. Aber auch dieser konnte das verlangte PSe- Gewicht nicht in Aussicht stellen. Da der Daimler-Motor aber der beste Motor jener Zeit war, gab Kress die Bestellung an Cannstatt. Voraussetzung dieser Entscheidung war die Zusage, daß das BS-Gewidht 7 ikg nicht erreichen werde,
Bild 8. Daimlermotor, eingebaut in den Drachenflieger von Kress. (Photographische Aufnahme 1901 .)
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die Kress durch den Generalvertreter Daimlers erhalten hat. Sie erwies sich als zu weitgehend, als der Motor geliefert wurde: Denn dieser wog weit mehr als vorgesehen war, nämlich etwa 13 kg je PSe, einschließlich Kühlwasser und Brennstoff (Bild 8). Obwohl sich hieraus, als Kress den überschweren Motor eingebaut hatte, eine große Überlastung der Flugmaschine ergab, begann er dennoch mit den Fahrversuchen am Wasser. Als er am 3. Oktober 1901 wiederum einen Fahrversuch vornahm, bei dem der Drachenflieger bald eine bis dahin noch niemals erreichte Geschwindigkeit entwickelte, machte dies, als der Apparat dem Damm des Stauweihers nahe kam, eine rasche Wendung notwendig. Während dieser kippte der Drachenflieger, nachdem sich die oben offenen Schwimmkufen mit Wasser gefüllt hatten, vom Wind gedrückt, um, versank und wurde hierbei zerstört (siehe S. 58 und 59, Anlage 2 und 3).
Schon 14 Tage nach diesem katastrophalen Ereignis ging Kress, dessen Spannkraft und Schaffensfreude zunächst ungebrochen schienen, daran, einen