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Erich Kurzel-Runtsciieiner
tigern Studium. 1893 berief er eine Luftfahrttagumg in Chicago ein, leitete deren Verhandlungen und gab 1894 die Ergebnisse als „Proceedings“ und seine eigenen einschlägigen Aufsätze unter dem Titel „Progress in Flying machines“ heraus. In einem von ihm selbst gebauten LiLiENTHALschen Gleitflieger machte er etwa 200 Gleitflüge. Auf die Brüder Wright, die als seine Schüler anzusehen sind, waren seine flugtechnischen Veröffentlichungen und Forschungsergebnisse von nachhaltigstem Einfluß.
(4) Johann Edler von Radinger (1842—1901) wurde nach Abschluß des Maschinenbaustudiums an der technischen Hochschule seiner Vaterstadt Wien und nach kurzer Betätigung in der Praxis, 1867 Adjunkt und 1875 Professor des Maschinenbaues an dieser Schule. Schon 1870 hatte er durch sein aufsehenerregendes Werk ..Die Dampfmaschinen mit hoher Kolbengesohwindiigkeit“ die Grundlage geschaffen, von der aus die Entwicklung dieser Kraftmaschine zum Schnellbetrieb ausgehen konnte. Radinger selbst leitete diese auch in der Praxis ein, indem er eine umlaufende Hahnsteuerung für schnellgeheRde Dampfmaschinen erdachte, die er erstmalig auf der Weltausstellung in Wien 1873 zeigte. Klassische Facharbeiten sind seine Ausstellungsberichte (Wien 1873, Philadelphia 1876, Paris 1900). Als Lehrer war Radinger unübertrefflich; seine Vorträge waren gleich seinen 'Schriften, wie Birk in „Männer der Technik“ 'sagt, „Muster an Klarheit und Formschönheit“.
(5) Ludwig Boltzmann (1844—1906) widmete sich dem Studium der Physik zunächst an der Universität seiner Vaterstadt Wien und setzte dieses in Heidelberg und in Berlin fort. Er habilitierte eich 1867 in Wien, wurde 1869 Professor in Graz, 1873 Professor in Wien, 1876 wieder in Graz, 1889 in München, 1894 wiederum in Wien, 1900 in Leipzig und 1902 abermals in Wien. Von seinen zahlreichen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Experimentalphysik sind namentlich jene über die Dielektrizitätskonstanten, jene zur kinetischen Gastheorie und zur Thermodynamik und jene über Probleme der Mechanik und der FARADAY-MAXWELLschen Theorie des Elektromagnetismus von Bedeutung. Er veröffentlichte 1891—1893 „Vorlesungen über Maxwell« Theorie der Elektrizität und des Lichts“, 1897—1904 „Vorlesungen über die Gastheorie“ und 1895—1899 „Populäre Schriften“. Boltzmanns Erkenntnisse sind zur Grundlage der neuzeitigen Wellenlehre und der Quantentheorie geworden.
(6) Über Otto Lilienthals Leben und über seine epochemachenden Pionierleistungen auf dem Gebiet des Flugwesens, die er unter Mitarbeit seines Bruders Gustav vollbrachte, siehe O. Halle „Otto Lilienthal, Der erste Flieger“, VDT-Verlag Berlin 1936, und Anna und Gustav Liltknthal „Die Lilienthals“, Stuttgart und Berlin, T. G. Cottasche Buchhandlung, in: „Wege der Technik“, 1930.
Anlage 1.
Artikel des Verfassers in der Tageszeitung „Neues Wiener Tagblatt“, 29. Juli 1936:
Die Knüppel Steuerung für Flugzeuge und Wilhelm Kress.
Eine jener Forderungen, die an Kraftfahrzeuge und Luftfahrzeuge gestellt werden, wobei die Tatsache der restlosen Erfüllung gerade dieser Forderung von der Generation von heute als selbstverständlich hingenommen wird, ist es, daß die Hebel zur Betätigung der Steuerorgane und jene zur Regelung der Leistung des Antriebmotors nahe dem Sitz des Führers derart angeordnet sein müssen, daß deren Handhabung ohne weiteres von diesem allein besorgt werden kann. Daß selbst die Erkenntnis, daß diese Forderung zu stellen sei, sieh erst durchrang, als die Erstlingserfolge mit motorbetriebenen Straßenfahrzeugen nicht nur schon erreicht, sondern längst auch wieder in Vergessenheit geraten waren, beweist der Umstand, daß bei sämtlichen Dampfwagen aus der