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die Knüppelsteuerung eingeführt wurde, durchaus nicht der Fall sein konnte. Denn die Zeichnung ist schematisch und gewollt (skizzenhaft. Auch wird die Wirkungsweise der Steuerung im Text nicht erklärt. Die verhältnismäßig viel deutlichere llandskizze von Kress ist, da in einem verschlossenen Archiv liegend, überhaupt nicht als Veröffentlichung anerkannt worden. Was nun die Wirkungsweise der Steuerung anlangt, so wurde vom'Gerichtshof erklärt, daß jene der KRESS-Knüppelsteuerung nicht mit der identisch sei, die Esnault- Pelterie in seiner Patentanmeldung darlegte; denn die KRESS-Knüppelsteue- rung hätte nur eine senkrechte und eine waagrechte Steuerfläche betätigt, die als Seiten- und als Höhenruder wirksam werden konnten, während Flächen für die Querstabilisierung, die doch für die patentgeschützte Knüppelsteuerung besonders charakteristisch seien, nicht vorgesehen gewesen wären.
Mit dieser Entscheidung ist patentrechtlich — soweit es sich um die neu- zeitige Knüppelsteuerung handelt — jeder Prioritätsanspruch, der für Kress geltend gemacht werden könnte, gefallen. Die KRESSsche Konstruktion zeugt aber trotzdem für des Erfindeis besonders geniale Veranlagung und für eine beinahe unheimlich wirkende Intuition für das Verhalten eines Flugzeuges in der Luft, das während des Fluges zu studieren dieser Pionier der Luftfahrt am bemannten Flugzeug überhaupt niemals Gelegenheit hatte.
Nachschrift anläßlich der Veröffentlichung 1947:
Die Entscheidung wäre vielleicht anders ausgelallen, wenn 1924 bekannt gewesen wäre, daß Kress die Wirkungsweise seiner Knüppelsteuerung auch modellmäßig dargestellt hat. Dies wurde jedoch erst anläßlich der 1945 vorgenommenen Durchsicht der dem Wiener Technischen Museum gehörenden KRESS-Modelle nach der Kückholung aus der Verlagerung vom Kustos dieses Institutes Wilhelm König entdeckt. Dieser stellte fest, daß am Originalmodell des großen „Drachenfliegers“ von Kress der Steuerknüppel bei einer früheren Instandsetzung festgelötet worden war; nach Entfernung des Löttropfens läßt sich nun die Knüppelsteuerung in der von Kress erdachten ursprünglichen Wirkungsweise wiederum betätigen. Es ist verblüffend mit welcher Sicherheit diese einhebelige, dreidimensionale Steuervorrichtung, die um 1890 erdacht wurde, auch heute noch arbeitet.
Anlage 2.
Morgenblatt der „Neuen Freien Presse“ vom 4. Oktober 1901:
Unfall des Ingenieurs Kress.
Ingenieur Kress wurde heute Nachmittags bei einem Versuch, den er mit seinem Luftschiff auf dem Tullnerbacher-Reservoir machte, von einem Unfall betroffen. Als das Schiff über die Wasserfläche dahinfuhr, gerieth es plötzlich ins Schwanken, neigte sich izur Seite und tauchte mit dem einen Flügel ins Wasser. Das Segeltuch, womit der Flügel überspannt ist, seng sich voll Wasser und zog durch seine Schwere das Schiff unter Wasser. Ing. Kress, der am Steuer stand, fiel beim Umkippen des Schiffes in das Bassin, das allerdings nicht tief ist. Leute, die vom Ufer aus der Fahrt des Luftschiffes zugesehen