Wilhelm Kress.
59
hatten, sprangen schnell ins Wasser und halfen dem Ingenieur heraus. Er war durch den Unfall sehr angegriffen, und da seine Kleider ganz durchnäßt waren, wurde er rasch in seine Wohnung gebracht, das Schiff mußte im Wasser liegen bleiben und konnte nicht geborgen werden.
Anlage 3.
Abendblatt der „Neuen Freien Presse“ vom 4. Oktober 1901:
Der Unfall des Ingenieurs Kress.
Der Unfall, den gestern Nachmittags Ingenieur Kress mit seinem Luftschiff im Tullnerbacher-Reservoir erlitten hat, war von ernsterer Art, als es nach der ersten Meldung den Anschein hatte. Herr Kress war in Lebensgefahr, denn die Stelle, wo sich der Unfall ereignete, ist mehr als 9 Meter tief, und Herr Kress war schon bis zum Munde im Wasser. Die Augenzeugen meinen, daß er untergegangen wäre, wenn er nicht mit dem Rettungsgürtel versehen gewesen wäre, umsomehr als er metallene Apparate in der Tasche trug, die ihn durch ihre Schwere hinabzogen.
Herr Kress hat sich übrigens rasch erholt. Er erschien schon heute Morgens beim Reservoir, erzählte, daß er keine Beschwerden fühle, und machte sich auch gleich daran, die Stelle aufzusuchen, wo sein Drachenflieger versunken ist. Er hofft, daß die Hebung des Luftschiffes bald gelingen und es ihm möglich sein werde, nach Reparirung der Schäden in kurzer Zeit wieder eine Versuchsfahrt zu unternehmen.
Über die Art, in welcher sich der Unfall ereignete, wird uns noch init- getheilt. Kress fuhr mit dem Luftschiff bis in die Mitte des Reservoirs, dort wollte er eine Wendung durchführen, ln der Curve, die das Schiff dabei durchfuhr, neigte es sich und die Tragflächen auf der rechten Seite tauchten ins Wasser. Da der Motor mit großer Geschwindigkeit arbeitete, senkten sich die Flügel immer tiefer ins Wasser ein, in Folge dessen füllten sich die Aluminium- Schutzkufen, auf welchen das Schiff steht, mit Wasser und das Schiff sank. Kress, der auf der Steuerbrücke stand, verlor den Boden unter den Füßen und fiel ins Wasser, konnte sich aber mit Hilfe des Rettungsgürtels solange halten, bis man ihm in einem Boote zu Hilfe kam.
Man konnte schon bei den früheren Versuchen des Ing. Kress erkennen, daß das Untergestell des Luftschiffes, die schlittenartigen Aluminiumkufen, zu tief ins Whisser tauchten, und der Zuseher, der das Luftschiff, von den Luftschrauben getrieben, unter dem klappernden Lärm des Motors über die Wasserfläche dahingleiten sali, hatte unwillkürlich stets das Gefühl, daß das tief im Wasser liegende Luftschiff bei der geringsten Neigung sich mit Wasser füllen und versinken könne. Das tiefe Eintauchen des Luftschiffes erklärte Ing. Kress damit, daß der Drachenflieger durch das zu schwere Gewicht des Motors zu viel belastet werde. Der Motor, der ein Maximalgewicht von 240 kg besitzen sollte, ist bei der Ausführung 380 kg schwer geworden und wiegt daher um 140 kg mehr als Ingenieur Kress bei seinen Berechnungen angenommen hatte.
Teeliuikgesdiiclite, 10. Heft.