Rudolf Saligkk
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technisch Wesen!liehe nicht erkannt und konnten deshalb keine technische Entwicklung einleiten. Diese Großtat blich Gustav Adolf Wayss Vorbehalten.
Das MoNiEH-Verfahren entwickelte sich in seinem französischen Ursprungsland weiter, ohne jedoch die gleiche Bedeutung wie in Deutschland und Österreich zu gewinnen (nach Christophe, Le beton arme et ses applications, par Paul Christophe, Bruxelles 1902, Chap. 5). Dieses Urteil kennzeichnet treffend die Lage.
Die MoNiER-Broschüre gliedert sich in eine allgemeine Abhandlung über die MoNiER-Bauweise, die Darstellung der ausgeführten Versuche sowie in die Beschreibung einzelner MoNiER-Konstruktionen mit Beispielen aus der Praxis.
Der Verfasser stellt einleitend fest, daß die „durchgeführten Belastung«- und Feuerproben eine Grundlage geschaffen haben für die wissenschaftliche Begründung und Durcharbeitung des Systems“. Weiter sollten die Versuche die Einwände gegen die neue Bauweise entkräften, als deren wichtigste erwähnt werden, daß erstens das Eisen durch den naß auf- getragenen Zement roste, daß zweitens der Zement an den verhältnismäßig glatten Eisen nicht hafte und derselbe somit nicht mit dem Eisen gemeinsam wirke und daß drittens bei Temperaturveränderungen das Eisen sich anders als der Zement bewege, entweder sich herausschiebe oder denselben sprenge.
Die Schrift betont weiter, daß die an MoNiER-Konstruktionen jahrelang gemachten Erfahrungen bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht worden sind und daß die im vergangenen Jahr (1886) ausgeführten Versuche und die weiter geplanten Versuche die wissenschaftlichen Erklärungen bringen und einen Wandel in der Beurteilung der neuen Bauweise durch die Techniker schaffen werden.
• Die Arbeit von Wayss hatte die Vorurteile zu entkräften, daß Monier- Ausführungen nichts anderes als Nachahmungen bereits bekannter Bauverfahren seien, z. B. von Drahteinlagen in Gipsdielen oder mit Draht verflochtenen Rohrgeweben in Mörtelputz. Das von Wayss eingeholte Gutachten des Professors der Technischen Hochschule Berlin Fritz Wolf stellte fest, daß jedes Element der Decken und Wände bei der MoNiER-Konstruktion an sich tragfähig sei, da es einen Träger darstellt, der aus Zement mit eingebetteten Eisenstäben besteht, wobei ersterer große Druckfestigkeit besitzt und letztere die Zugkräfte auf nehmen. Professor Wolf faßt sein Gutachten dahin zusammen, daß durch das MoNiER-Verfahren ein völlig neuer Grundsatz in die Bautechnik eingeführt werde, den vorher niemand gekannt und angewendet hat Gegenüber andern, äußerlich ähnlich gearteten Baugliedern, so schließt Professor Wolf, verfolge das Monier- Verfahren ganz andere Gedanken und gelange izu neuen Ergebnissen.
Diese Ansichten gewonnen und verteidigt sowie durch Versuche und die Baupraxis erstmalig bewiesen zu haben, ist das Verdienst von Gustav Adolf Wayss und seiner Mitarbeiter.
Wayss widmet der Rostsicherheit eine ausführliche Darlegung. Er beweist ferner durch die Versuche, daß Zementplatten mit Eiseneinlagen eine