68
Rudolf Saligek
Rundeisennetz au der unteren Leibung, bei einem Bogen aus einem doppelten Netz nahe der Leibung und dem Bücken. Ein Gewölbe wurde ohne Bewehrung ausgeführt. Alle Versuchsgewölbe wurden stufenweise halbseitig belastet. Die lotrechten Senkungen und Hebungen während des Versuches wurden in den Sechstelpunkten der Spannweite gemessen. Beobachtet wurden ferner die Rißbildung und das Verhalten beim Bruch. Die bewehrten Gewölbe trugen fast dreimal soviel wie der reine Betonbogen sonst gleicher Bauart.
Vier weitere Versuche und die zugehörigen Messungen wurden an frei- aufliegenden und durchlaufenden Platten von 5cm Dicke und 1,0, 1,5 und 3,5 m Spannweite mit Eisennetzen an der Unterseite vorgenommen. Alle Platten hatten ebenso wie die vorher erwähnten Gewölbe eine Breite von 60 cm, in einem Fall von 1 m.
Zwei weitere Belastungsversuche nahm Wayss an freitragenden Röhren \ on 1 m Lichtweite und 4 ein Wanddicke, einen Versuch an einer freitragenden 3 cm dicken Monier -Wand von 3,5 m Spannweite und gleicher Höhe und einen Versuch an einem schief-elliptischen Gewölbe von rund 3 m Spannweite vor.
Die genannten zwölf Belastungsproben wurden unter der Aufsicht des kgl. Polizeipräsidiums Berlin im Februar 1886 in Gegenwart einer großen Zahl von Architekten und Ingenieuren vorgenommen.
Außerdem wurden zahlreiche Versuchskörper geprüft, und zwar im Mai 1886 mehrere Platten auf dem Werkplatz von G. A. Wayss in Berlin mit verschiedenen Bewehmngsformen, ein Gewölbe von 3 m Lichtweite bei der geplanten Wiener-Neustädter Wasserleitung im Beisein amtlicher Organe, im November 1886 mehrere Platten von 1,56 und 3,0m Spannweite sowie ein Gewölbe von 5,15 m Spannweite mit 0,5 m Stich auf dem Werkplatz der Baufirma Gebrüder Huber in Breslau in Gegenwart von Amtsorganen und zahlreichen Fachleuten. In Breslau wurde eine scharfe Feuerprobe an einem Monier- Rohr und zwei MoMER-Platten durchgeführt, auf dem Gelände der Rheinischen Gummi Warenfabrik in Nippes bei Köln im November 1886 eine vergleichende Feuerprobe an einer Trägerwellblechdecke und einer Monier- Decke.
Die MoNiER-Broschüre enthält die Beschreibung zahlreicher Ausführungen und Planungen in Zement mit Eisen für gerade und gewölbte Decken zwischen Eisenträgern und freitragend auf größere 'Spannweiten, für Dächer, Kellerfußböden, Wände, Tür- und Fensterstürze, Säulen und Einhüllung von eisernen Säulen mit einem MoNiER-Mantel, ferner Treppenkonstruktionen, Sheddächer, Wasserbehälter, Getreidesilos, Kläranlagen und Brücken.
Monier kam aus Paris zu Besuch nach Deutschland und besichtigte die Versuchskörper und Bauausführungen in Berlin. Wie gering das Verständnis Moniers für die Wirkung und Verteilung der Kräfte in den Tragkörpern und lür die Rolle der Einlagen auch damals noch war, beweist die Tatsache, daß Monier sich stärkstens entrüstete, als er sah, daß die Stahlstäbe an den Rand (in die Zugzone) und nicht in die Mitte der Platten gelegt waren. Monier hatte über den Zweck der Einlage nur sehr unvollkommene Vorstellungen. So er-