Gustav Adolf Wayss.
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ging es damals nicht nur Monier, sondern bis dahin fast der gesamten Fachwelt, die die MoNiER-Patente verwertete.
G. A. Wayss war jener Mann, der die Wirkung und Bedeutung der Stahleinlagen im Kräftespiel von Anfang an klar erkannte, der mit der ihm eigenen Tatkraft und Umsicht, mit seinem Organisationstalent und seiner Opferfreude die Voraussetzung zur Grundsteinlegung des Stahlbetonbaues schuf, der von Anfang die Erfolge einer ferneren Zukunft voraussah. Als praktischer Ingenieur war Wayss auch einer jener Mahner, die auf die Schäden hinwiesen, die aus der Nichtbeachtung der besonderen Eigenart des Zements und des Betons erwachsen und die dann der Bauweise als solcher angelastet würden. Dies gilt bis zur Gegenwart.
Aus der Zeit vor dem Jahr 1886 sind wissenschaftliche oder planmäßige Versuche an Stahlbetonkörpern nicht bekannt. Von 1892 an sind vereinzelte Versuche ausgeführt worden, wie jene des österreichischen Gewölbeausschusses in Wien und die MELAN-Versuche in Brünn. Nach 1900 sind Prüfungen und Probebelastungen in Deutschland, Frankreich und Amerika allgemeiner geworden. Das Versuchswesen und die wissenschaftlichen Laboratorien, hauptsächlich an den technischen Hochschulen, dann auch bei Eisenbahnverwaltungen, Baubehörden, Zementfabriken u. a. haben seitdem eine ungeahnte Bedeutung erlangt.
d) Wayss als Gestalter des Stahlbetons.
Das Hauptarbeitsgebiet Wayss’ lag in den Bauaufgaben, die in den von ihm gegründeten Bauunternehmungen A. G. für Beton- und MoNiER-Bau in Berlin, Wayss & Freytag in Neustadt, Wayss & Co. und Wayss & Westermann in Wien durchgeführt wurden. Neben diesen und den an anderer Stelle erwähnten werden hier nur einige wenige kennzeichnende Leistungen und Erfindungen besprochen.
Die WAYSSsche Rohrzellendecke.
Als Ersatz der Hohl- und Kohrzellensteine aus Leichtbeton oder gebranntem Ton hat Wayss die Rohrzelle erfunden. Die ersten Zellen waren rund, später sind sie mit Rechteckquerschnitt hergestellt worden. In beiden Fällen kommen in Abständen von 20 bis 25 cm Rundeisenbügel zur Anwendung, die der Zellenquerschnittform entsprechen. Auf die Bügel wird das Rohrgewehe (die Rohrmatte) auf gerollt und mit Draht oder auf andere Weise befestigt. Obgleich die Zellen verhältnismäßig leicht sind, war ihre Verwendung vorerst nur eine beschränkte, da die Herstellung zu teuer war. Besser bewährt haben sich Holzrahmen an Stelle der Eisenbügel. Die Rohrmatte wird durch stark angespannte Stahlbänder auf die Holzrahmen gepreßt und auf diesen festgenagelt. Die Zellen sind der Breite der Rohrmatten entsprechend 1 m lang. Die Herstellung der Zellen erfolgt maschinmäßig nach einem dem Erfinder patentierten Verfahren. Das Ersparnis an Gewicht ist außerordentlich. Die Zellen mit dem Querschnitt 20 mal 20 cm wiegen etwa 7 kg je Quadratmeter Decke, während Zellensteine für die gleichen Abmessungen etwa 150 kg