Aufsatz 
Ingenieur Gustav Adolf Wayß : ein Bahnbrecher des Stahlbetons ; ein Beitrag zur Geschichte der Technik / von Rudolf Saliger
Entstehung
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Gustav Adolf Wayss.

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Beton im Längenmaiist ab 1:3, einem Theater für etwa 1200 Personen ent­sprechend, errichtet. Die Bühne ist 7,5 m 'breit, 6 m tief und 7,7 m hoch. Die Bühnenöffnung ist 3,35 m breit und 2,6 m hoch. Der Zuschauerraum ist 5,5 m breit, 7 m tief und 4,7 m hoch. Im Herbst 1905 wurden acht Brandproben durch­geführt, teilweise im Beisein des k. k. Statthalters und des Bürgermeisters von Wien, sowie zahlreicher Fachleute aus dem In- und Ausland. In dem darauf­folgenden Jahr fanden mehrere Proben der Wiener Feuerwehr und Schauvor­führungen von Bränden statt. Die Ergebnisse und Folgerungen sind in der genannten Denkschrift veröffentlicht. Außer den Schlüssen, die aus den Ver­suchen für die bauliche Einrichtung von Theatern gezogen wurden, haben sie wertvolle Erkenntnisse über die Feuersicherheit des Stahlbetons erbracht.

e) Einige Jünger des Stahlbetons.

Die führende technische Persönlichkeit der von Wayss gegründeten Neu­städter Bauunternehmung wurde der Oberingenieur Reg.-Baumeister a. D. Emil Mörsch, der spätere Dr.-Ing. und Professor der Technischen Hochschulen in Zürich und Stuttgart, ein überragender Fachmann, ein Gelehrter und For­scher des neuzeitlichen Stahlbetonbaues. Die erste 1902 erschienene Broschüre hat Mörsch im Auftrag der Unternehmung Wayss & Freytaü verfaßt. Sie be­handelte das Fachgebiet überwiegend vom Standpunkt der Firma. Die späteren Auflagen haben sich zu hochwertigen Zeugnissen deutschen technischen For- schertums entwickelt.

Die Wiener Unternehmung stand vorerst unter der Leitung von Rudolf Schuster, bis G. A. Wayss 1903 ganz nach Wien übersiedelte. Ein bewährter Mitarbeiter von Wayss war der Ingenieur Josef Anton Spitzer. Dieser lieferte neben seiner baugestaltenden Tätigkeit und den Geschäften der WAYSSschen Unternehmung wertvolle wissenschaftliche Beiträge für den Stahlbetonbau, im Jahre 1896, also zu einer Zeit, da die Aufgaben der höheren Standlehre noch wenigen Ingenieuren geläufig waren, veröffentlichte Spitzer in der Zeit­schrift des Ingenieur- und Architektenvereines Nr. 20 die Berechnung der MoNiER-Gewölbe nach der Elastizitätstheorie und die wissenschaftliche Aus­wertung der Versuchsergebniisse beim Purkersdorf er Probegewölbe des ersten Gewölbeausschusses des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereines vom Jahre 1892 mit 23 m Lichtweite. Sein Bestreben war nebst der möglichst genauen Berechnung der statischen Verhältnisse nach 'der Elastizitäts­theorie hauptsächlich darauf gerichet, aus den Versuchstatsachen das Ver­hältnis zu erforschen, in dem sich die inneren Spannungen auf den Beton und die Stahleinlagen verteilen. Die Arbeit gliedert sich in folgende Teile:

Untersuchung, wie die für homogenes Material gültige Theorie auf MoNiERsGewölbe anzuwenden sei.

Berechnung der Biegemomente und Normalpressungen.

Berechnung der Formänderungen des Gewölbes infolge der Probelasten und Widerlagerverdrehungen.

Berechnungsdurchführung für verschiedene Einflüsse.

Berechnung der aufgetretenen Widerlagerverdrehungen.