Aufsatz 
Ingenieur Gustav Adolf Wayß : ein Bahnbrecher des Stahlbetons ; ein Beitrag zur Geschichte der Technik / von Rudolf Saliger
Entstehung
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Rudolf Saliger_

Formänderungen des Gewölbes infolge der Widerlager Verdrehungen.

Berechnung des Elastizitätsmaßes des Betons und der Verhältniszahlen aus den gemessenen Formänderungen, Momenten und Normalkräften.

Spitzer entfaltete auch sonst eine rege wissenschaftliche Tätigkeit und er warb damit auch für die fachliche Arbeit der Firma G. A. Wayss. Spitzers Leistungen wurden vielfach verkannt und bei weitem nicht so gewürdigt, wie sie es verdient hätten. Seine bescheidene Natur ließ ihn nicht aufkommen gegen Personen, die ihre publizistische Rührigkeit in die Höhe gehoben und mit einem sachlich unberechtigten Nimbus umgeben hatten. Es ist ein Maßstab für die Führerpersönlichkeit Wayss, daß er Männer, die sich zu so bedeutenden Ver­tretern des Stahlbetons entwickelten, wie Koenen, Mörsch und Spitzer für seine Unternehmungen gewonnen hat.

Professor Dipl.-Ing. Josef Melan, damals in Brünn, später in Prag, einer der wissenschaftlich und konstruktiv höchststehenden gelehrten Ingenieure, hatte den Gedanken, steife und für sich standfeste Tragwerke aus Eisen, ge­walzte Träger oder genietete Fachwerke mit Beton in Verbindung und zu ein­heitlicher Tragwirkung zu bringen. Diese Tragwerke sind unter dem Namen MELAN-Konstruktion seit 1892 bekannt geworden. Zahlreiche Brücken in Öster­reich und Amerika sind in dieser Bauweise ausgeführt.

Über die Bauten insbesondere in letzterem Land ist von dem damals dort tätig gewesenen Ingenieur Fritz von Emperger eingehend berichtet worden. Nach seiner Rückkehr nach Österreich wirkte Emperger einige Zeit als Honorarduzent an der Technischen Hochschule Wien und beschrieb in zahl­reichen Aufsätzen die Bauten auf der Weltausstellung in Paris 1900 und an­dere ausländische Ausführungen in einer viermal jährlich erscheinenden Zeit­schriftBeton und Eisen. Er erwarb sich dadurch große Verdienste um die aufstrebende Bauweise. Er förderte sie durch seine schriftstellerische Tätig­keit sowie durch die Heranziehung jüngerer Kräfte zur Mitarbeit an dem von ihm herausgegebenen Sprachrohr des Betonbaues. Später leitete Emperger die Herausgabe des Handbuches für Eisenbetonbau. Er schuf so einen publizisti­schen Mittelpunkt und zog durch seinen Fleiß und seine journalistische Be­gabung einen Teil der Erfolge des Stahlbetons auf seine Person. Die von ihm Abhängigen betonten die Verdienste Empergers, zu den Unabhängigen stand er häufig in sachlichem Gegensatz, ihre Arbeiten verkleinerte er mit seiner scharfen Feder oder schwieg sie tot.

G. A. Wayss, J. A. Spitzer u. a. befanden sich unter den Leidtragenden. Be zeichnend hiefür ist die Tatsache, daß in der 1942 in der Hofburg gezeigten Leistungsschau in der Gruppe Stahlbeton nur Emperger genannt, auf die gleichwertigen Fachleute, vor allem aber auf den Bahnbrecher G. A. Wayss vergessen wurde.

Unter den österreichischen Fachleuten des Stahlbetons ist noch besonders Hugo Gröger zu erwähnen, Oberingenieur der Betonbauunternehmung Eduard Ast & Co. in Wien. Diese Firma, die unter der Leitung des verdienst­vollen Ingenieurs Eduard Ast stand, hat sich an der Entwicklung des Stahl­betons nicht bloß geschäftlich, sondern auch fachwissenschaftlich führend be-