Gustav Adolf Wayss.
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teiligt. Gröger war ein 'begeisterter Betoningenieur und 'die fachtechnische Seele seiner Unternehmung.
In die Gruppe dieser Männer gehört auch Ingenieur Viktor Brausewetter, Chef der Firma Pittel & Brausewetter. Anerkannte Verdienste um den Betonbau erwarb sich Ing. Ludwig Paul Roth, der leitende Ingenieur der Betonbauunternehmung N. Rella & Neffe. Aus der Beamtenschaft, die an der Entwicklung des Stahlbetonbaues mit'gewirkt haben, ist der Ministerialrat Ing. Karl Haberkalt zu nennen. Aus der Aufzählung dieser Persönlichkeiten geht die bedeutende Rolle hervor, die der Kreis um Wayss und die österreichischen Fachleute in der Entwicklung der Stahlbetontechnik spielten.
Professor Max Möller in Braunschweig trat mit seiner Brückenträgerbauart seit 1893 in den Vordergrund. Aus der Frühzeit des Stahlbetons sind weiter hervorzuheben der Ingenieur Sanders in Amsterdam und der französische Bauunternehmer Hennebique, der insbesondere seit der Weltausstellung 1900 in Paris viele Bewunderer und Nachahmer gefunden hat.
Die HENNEBiQUEsche Bauweise, die 1894 begann, wich von den damals schon längere Zeit von Wayss angewendeten Bewehrungsgrundsätzen in wesentlichen Punkten ab, insbesondere in der Gestaltung der schwachgeneigten aufgebogenen Schrägeisen und der Flacheisenbügel. Wayss hatte in seinen Trägern in richtiger Erkenntnis der Wirkung der Hauptzugkräfte die Schrägeisen unter 45° angeordnet und paßte im Zusammenhang damit die Verteilung der Längseisen der Momentenverteilung gut an. Obwohl die HENNEBiQUEsche Konstruktion nicht nur kein Fortschritt, sondern eine Verschlechterung gegenüber der WAYSSschen Ausführung darstellte und auch ihre theoretische Grundlage verfehlt war, hat sie die WAYSSsche Bauart eine Zeit lang fast ganz in den Hintergrund gedrängt, sogar (oder selbstverständlich) auch in seinem Vaterland. Bis 1905 hat Hennebique über 700 größere und kleinere Brücken in 1' rank reich und in den Nachbarländern a/usgeführt. Jetzt ist Hennebique, dessen Verdienste um den Stahlbetonbau zweifellos anerkennenswert sind, längst als vorübergehende Entwicklungsstufe erkannt und kein Betonbauer, auch in Frankreich, baut nach seinem Verfahren. Hennebique ist eine geschichtliche Erinnerung. Die WAYSSsohe Grundlage der Schrägeisen und Bügel, deren Richtigkeit nachträglich durch zahlreiche Versuche, wie z. B. jene des deutschen Ausschusses für Stahlbeton, erwiesen ist, sind Allgemeingut der Stahlbetontechnik in der ganzen Welt geworden und zählen zu den Selbstverständlichkeiten der Bauweise.
Ebenso hat sich die von Wayss angegebene Bauart der Säulen gegenüber den verschiedenen „Systemen“ wie Degon, Bonna, Matrai usw., die wie Moden vergänglich waren, dauernd durchgesetzt. Überhaupt ist die Frühzeit des Stahlbetonbaues durch die mehr als 200 „Systeme“ gekennzeichnet, die fast jeder Bauunternehmung und unzähligen rührigen Erfindern eigen waren.
Von weiteren Fachmännern aus der Erstzeit des Stahlbetons seien noch genannt die Professoren Barkhausen in Hannover, Brik in Wien, Neumann in Brünn, Ostenfeld in Kopenhagen, Thullie in Lemberg, Woolson in New York.