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Erich Kurzel-Runtscheiner
jene der Entstehung, was auch durch stilgeschichtliche Erwägungen bestätigt wird. Das Gesamt werk des erst 1481 vollendeten Beckens, dessen Steinbildhauer man nicht kennt, und die Krone wurden also wohl in den Jahren 1476 bis 1181 in Salzburg anigefertiigt; die Visierung aber, jener meist ortogonale Zeichnungsriß, nach dem als Entwurf die Bildhauer der damaligen Zeit ihre Bildwerke (in Holz, in Stein oder in Erz) herzustellen pflegten, dürfte von einem Nürnberger Goldschmied entworfen worden sein. Als Grundmaß beider Teile des Taufwerkes hat Oettinger den von der Bauhütte von Notre Dame verwendeten Pariser Fuß festgestellt; von einem solchen Grundmaß pflegten die Künstler der gotischen Zeit — Baumeister, Steinbildhauer und Bildschnitzer — auszugehen, indem sie, nicht mit Maßstab oder Meßband, sondern durch mit dem Zirkel vorgenommene Teilung oder mehrfaches Aufträgen des Grundmaßes die wahren Längen festlegten, die der Bau oder das Bildwerk, das es zu schaffen galt, in natura erhalten sollten.
Das Leben und die Leistung eines der Baukünstler des 18. Jahrhunderts, der in Wien heimisch war, schildert der Oberstaatskonservator des Bundesdenkmalamtes Dr. Erwin Hainisch in seiner auf tiefschürfendem Aktenstudium und auf vorzüglicher Kenntnis der Baukunst dieser Zeit aufgebauten reichbebilderten Studie „Der Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1732 bis 1810)“. 5 So wie über die zeitgenössischen Baukünstler überhaupt, ist auch über Hohenberg, den „Theatermaler und Architekten“, der im Dienste Maria Theresias und Kaiser Josephs II. stand, wenig Authentisches bekannt. Sogar ein Bildnis fehlte bis zu dem Augenblick, wo Hainisch ein solches unter den zahlreichen auf M. F. Quadals Ölgemälde „Modellsaal der Wiener Akademie“ dargestellten Personen entdeckte. Jene Baudenkmäler, die in Wien am meisten an Hohenbergs Wirken erinnern, sind das Palais Fries-Pallavicini am Josephsplatz, das Sohloßtheater, die Gloriette und die Obeliskgrotte in Schönbrunn. Auch als Maschinenbauer betätigte sich Hohenberg: durch den Bau je einer Aufzugsmaschine für Kaiserin Maria Theresia im Schloß Schönbrunn und in der Gloriette. Hatte Hohenberg schon das in seiner Jugendzeit übernommene ererbte Formengut der Hoohbarooke in eigenwilliger Weise belebt, so wandte er sich im Alter einer mit unbeirrbarer Strenge angestrebten nahezu klassizistischen Bauweise zu. Ja über diese hinaus gelangte Hohenberg sogar bis zu allerdings meist nicht ausgeführten gotisierenden Entwürfen. Er ist also ein Vorläufer jener Baukünstler, die zur Periode der romantischen Baukunst und der Stilsynthese gehören. Als Schöpfer blieb Hohenberg „an der Wende stehen“; die Wiener Baukunst zu neuer Auffassung hingeführt zu haben, „ist seine entwicklungsgeschichtlich bedeutsame Tat“.
Das nun zu besprechende Werk eines Wiener Verlages besteht nicht nur aus technisch-geschichtlichen Betrachtungen, sondern weist auch auf Grund wissenschaftlicher Erwägungen und Berechnungen in die Zukunft. Es heißt „Vorstoß ins Weltall“ 6 und ist verfaßt von dem international anerkannten Rakentenfach-
5 Erwin Hainisch, „Der Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg“, mit 56 Abbildungen. Margarete Friedrich Rohrer-Verlag, Innsbruck-Wien 1949.
8 Willy Ley, „Vorstoß ins Weltall. Rakete und Raumschiffahrt“. Universum Ver- lagsges. m. b. H., Wien 1949.