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1949: Elftes Heft
Entstehung
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Technikgeschichtliche Bücherschau.

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maim Willy Ley. Diese Wiener Ausgabe von 1948, die erste in deutscher Sprache, folgt vier amerikanischen der Jahre 1944 bis 1947 in englischer Sprache, deren letzte den TitelRockets and Space Travel führt, einer südamerikanischen des Jahres 1947 in spanischer Sprache und einer italienischen Ausgabe von 1948. Die Wiener Ausgabe ist, wenn man so sagen darf, eine Heimkehr: denn der Ver­fasser WIlly Ley stammt aus Österreich, er hat erst vor wenigen Jahren über Deutschland den Weg nach USA. genommen. Ley hat sich schon seit den An­fängen des neuzeitlichen Weltraumfahrtgedankens mit diesem fesselnden Problem und seinen technischen Möglichkeiten befaßt. Die Darstellung beginnt mit den utopischen Gedanken von Dichtem, Denkern und Erfindern und ihren Phantasie­erzählungen von Mond- und Marsfahrten und den Versuchen der Wissenschaft früherer Jahrhunderte, den Bewohnern benachbarter Planeten Zeichen zu geben, in der Hoffnung, Antwort von ihnen zu erhalten. Dann wird über die Entwick­lung der Raketentechnik berichtet, die mit dem chinesischen Feuerpfeil beginnt, sich in den mittelalterlichen Raketenwagen und Raketentorpedos fortsetzt und über die Kriegsraketen des 19. Jahrhunderts, die Flüge von Postraketen und von meteorologischen Höhenraketen bis zu den V-2-Waffen der Deutschen, die im zweiten Weltkrieg entwickelt wurden, fortgeführt wird. Ley erzählt auch, wie die ernste Raketenforschung der Zwisohemkriegszeit ihre Mitarbeit dem Film verschrieb, um das Geld zu erhalten, mit dem sie ihre höchst wissenschaftlichen Experimente, Versuchsbauten und Aufstiege finanzieren wollte. Auf den aus dieser Forscherarbeit gewonnenen Erkenntnissen werden dann jene Pläne auf­gebaut, aus denen einst die Weltraumfahrt entstehen soll, die allein unter Ver­wendung des Raketenprinzips der Verwirklichung entgegengeführt werden kann. Aus physikalisch-mathematischen Berechnungen, die vom Verfasser im einzelnen dargelegt werden, ergeben sich Weg- und Zeitschemen künftiger Fahrten nach Mond, Mars und Venus. Das Ende dieser Überlegungen ist die Erkenntnis, daß als Startplatz für die Weltraumrakete von einst eine die Erde mondartig um­kreisendeAußenstation geschaffen werden müßte, eine Idee, die zuerst vom Wiener RaJketenforscher Baron Pirquet entwickelt und dargelegt wurde. Es ist ein faszinierendes Buch, erfüllt von schillernden Gedanken, dieserVorstoß ins Weltall. An dessen Ende gibt der Verfasser der Hoffnung Ausdruck, daß einst imÜberlaboratorium der Außenstation neue Kenntnisse geboren werden wür­den, da dortunter den auf Erden so seltenen Bedingungen Andrucklosigkeit im Vakuum und ein sonst unerreichtes Temperaturspektrum zur Verfügung der Forscher stünde. Das verspreche neue Entdeckungen, von denen eine einzige alle Unkosten der Forscherarbeit decken könnte und neue Methoden und neue Produkte ergeben würde.

Von der Darstellung rein realer Tatsachen im geschichtlichen Ablauf der Jahrhunderte, die eine langjährige und intensive Forsoherarbeit eines an Ort und Stelle lebenden Historikers voraussetzt, ist des Kurdirektor Heinrich v. Zimburgs BuchDie Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales 7 erfüllt.

7 Heinrich v. Zimburg,Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales, mit 66 Abbildungen. Verlag Wilhelm Braumüller, Wien 1948.