Technikgeschichtliche Bücherschau.
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die beiden Schiffe und fast das gesamte Museumsinventar so gut wie völlig zerstörte. Trotzdem hofft Ucelli noch so manches für die geplante Wiedererrichtung des Museums von Nemi zu retten, das einst so wertvolle Oimelien der antiken Technilkgeschichte enthielt.
Ein Wissensgebiet, auf dem auch jenen, die sonst über eine gute Allgemeinbildung verfügen, Einsicht und Übersicht zu fehlen pflegt, ist die Urgeschichte. Daher ist es besonders zu begrüßen, daß der o. ö. Professor der Universität Wien und Leiter des urgescbichtlichen Institutes an dieser Dr. Richard Pittioni ein ,.Die urgescbichtlichen Grundlagen der europäischen Kultur“ 26 betiteltes Buch verfaßt hat. In ihm findet man jene Grundlagen zusammengetragen, die es jedem an urgesChichtlichen Fragen Interessierten — und das sollten wir alle sein — ermöglichen, den Aufbau der Urgeschichte beim Stand von heute, ihre Grundbegriffe und Zeiteinteilung kennen zu lernen und an Hand des Textes sowie der zahlreichen, die Funde ins einzelne kennzeichnenden Abbildungen einen Überblick über die Urgeschichte Europas >zu gewinnen, wie er sonst wohl aus keinem der bisher verfügbaren Lehrbücher und Sonderabhandlungen rasch erarbeitet werden 'kann. Pittioni hat aber auch, um die Probleme und Erkenntnisse seines Faches in weite Kreise zu tragen, den in urgeschichtlicher Zeit spielenden Roman „Der Bergfürst“ 27 verfaßt. Die Vorgänge rollen in jener Zeit ab, in der zunächst die Bronzemetallurgie und später das Eisenwesen in den östlichen Alpenlanden heimisch wurden. In reizvoller Weise sind — wenn auch ohne Namensnennung — die Berge und Seen unserer Heimat sowie Menschen und Dinge jener fernen Zeiten geschildert’ in denen zweimal, bald aufeinanderfolgend, große technische Fortschritte , Lebensbedingungen und Charaktere von Grund auf gewandelt haben. Die Erzählung hält sich an die durch die wissenschaftliche Forschung aufgedeckten Tatsachen. Dadurch gewinnt das Ganze an innerer Wahrscheinlichkeit und vor allem an Persönlichkeit. Dies läßt erwarten, daß durch dieses Buch jener Wunsch, von dem sich Pittioni ‘bei dessen Abfassung leiten ließ, das Interesse für die Urgeschichte insbesondere auch bei jungen Menschen zu wecken, erfüllt werden wird.
In diesem Romane hat Pittioni Wege beschritten, die vor ihm der vor kurzem verstorbene Dr. phil. Apotheker, Schriftsteller und tiefe Denker Theodor Heinrich Mayer (1879—1949), dessen ßchriftstellername zuletzt Mayer-Brandt gewesen ist, in seiner 1941 entstandenen technikgeschichtlichen Bilderfolge „Vom Gedanken zur Tat“ 28 in ansprechender und geistreicherWeise gegangen ist, indem er — darin über Pittionis Absichten hinausgreifend — den Leser von der Urzeit über technikgeschichtlich gesicherte, vom Autor novellenartig verarbeitete Vorgänge in die nahe Zukunft führt. Zwei weitere Romane technikgeschichtlichen Inhalts stammen aus der Feder des bekannten Wiener Autors Rudolf Brunngraber.
26 Richard Pittioni, „Die urgeschichtlichen Grundlagen der europäischen Kultur“, mit 141 Abbildungen. Verlag Franz Deuticke, Wien 1949.
27 Richard Pittioni, „Der Bergfürst. Erzählung aus der Urzeit Österreichs“. Verlag Karl Kühne, Wien 1947.
28 Theodor Heinrich Mayer, „Vom Gedanken zur Tat. Novellen aus der Geschichte werktätigen Schaffens“. Verlag Braun & Schneider, München 1941.
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