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Viktor Schützenhofer
Zusammenarbeit zwischen Daimler und Löhner an rein persönlichen Gründen — eine Tatsache, die man im Interesse der damaligen Weiterentwicklung des Automobilismus auf deutschem Sprachgebiet nur bedauernd registrieren kann, denn der erfahrene Wagenbauer Ludwig Löhner würde hier das geworden sein und bedeutet haben, was Emil Levassor * 2 für das französische Kraftfahrwesen war.“
Dies hielt Loiiner nicht ab, sein Vorhaben auf andere Weise in die Tat umzusetzen. Er erwarb einige 4—6pferdige Pygmee-Motoren der französischen Firma I^efebre und baute damit zwei- und viersitzige Automobile, mit denen er allerdings die Daimler- und Benzschen Erzeugnisse nicht erfolgreich konkurrenzieren konnte. Er hatte aber verwendbare österreichische Automobile auf den Markt gebracht und 1896 als Erster in Österreich deren industrielle Erzeugung aufgenommen. 3
Auf der weiteren Suche nach einem geeigneten Fahrzeugmotor stieß Loiiner eines Tages auf einen Bericht über den von Rudolf Diesel am 16. Juni 1897 in der Hauptversammlung des Vereines deutscher Ingenieure gehaltenen, dessen Motor betreffenden Vortrag. Diesel hatte danach an Hand vierjähriger Versuchsergebnisse die allgemeine Überlegenheit seines Motors über alle bekannten Wärmekraftmaschinen als feststehend angegeben. Sofort, mit Schreiben vom 28. Juni 1897 schlug Löhner dem ihm bis dahin persönlich unbekannten Rudolf Diesel vor, dessen neuen Motor in Automobile einzubauen. Schon zwei Tage später antwortete Diesel, daß er die Anregung gleich an KRUPP-Essen geleitet habe, der das Dispositionsrecht über seine österreichischen Patente besitze. Auf die warme Aufnahme hin, die der Vorschlag Löhners bei Diesel gefunden hatte, gab Krupp diese unverzüglich an die Motoren bauende Firma Deutz weiter, die es aber ablehnte, zur Zeit auf die Herstellung oder nur die Bauentwick- ‘lung eines nicht ortsfesten Dieselmotors einzugehen. JNuii folgte Brief auf Brief und Besuche Löhners bei Diesel in München. Wünsche und Angebote von der einen Seite wechselten mit ehrlich gemeinten Versprechungen von der andern ab, bis Diesel anfangs 1898 selbst zugeben mußte, daß „infolge zahlreicher anderer drängender Arbeiten die Entwicklung der Automobil-Motor-Angelegenheit nicht so beschleunigt werden konnte, wie diese im allgemeinen Wunsch lag“. Beide ahnten aber damals nicht, welche geraume Zeit das Werden des Fahrzeug-Diesel-Motors noch in Anspruch nehmen werde.
So hart der Zusammenbruch einer großen Hoffnung Loiiner auch traf, so ließ er sich dadurch nicht abhalten, den Kraftwagenbau, dessen Zukunft ihm absolute
Daimler“ und „Karl Benz“ in einer besonders dankenswerten Art. Denn die gemeinsame Arbeit zwischen Löhner und Diesel fußte nicht nur auf Löhners Begeisterung für den Daimlermotor und begann schon zu Daimlers Lebzeiten, sondern die von ihnen behandelten Probleme wurden in den Mannheimer Werkstätten von Karl Benz nach vieljähriger Forschungsarbeit auch so weit gelöst, daß die nunmehrige Daimler-Benz A.-G. den Personenwagen-Dieselmotor zu ihren stolzesten Errungenschaften zählen darf.
2 EMIL Levassor, geb. 21. Januar 1844 in Marolies (Frankreich), Mitinhaber und Konstrukteur der Pariser Firma Panhard & Levassor und Lizenznehmer von Daimler für Frankreich. Besonders verdient um die Entwicklung der französischen Automobilindustrie. Starb infolge eines Rennunfalles 14. April 1897.
3 Die von Siegfried Marcus in Wien 1864 und 1875 gebauten, überhaupt ersten benzingetriebenen Kraftwagen blieben nur Einzelstücke.