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Viktor Schützenhofer
wollten. Die Gründung kam aus den oben angeführten Ursachen nicht mehr zustande.
Die Oberleitungsübertragung des elektrischen Stromes für Fahrzwecke war damals nicht lange bekannt und noch mit Mängeln behaftet, die Ludwig Stoll mit seinem patentierten Stromabnehmer behob. Die von Stoll zuerst verwendeten Elektroomnibusse bewährten sich nicht; so kam dieser zu Löhner, der ihm mit seinen LoiiNER-PoRSCHE-EIektromobilen einwandfreie Fahrzeuge liefern konnte. Damit ergab sich das Zusammenarbeiten „Lohner-Stoll“, nach welchem dieses Verkehrssystem benannt wurde. Das Wesen desselben war die Unabhängigkeit der verwendeten Fahrzeuge von einer Schienenführung und der freien Beweglichkeit dieser Fahrzeuge auf der mit der Oberleitung ausgerüsteten Straße mittels eines beweglichen, in seiner Länge veränderlichen Kabels. Der STOLLsche Stromabnehmer bestand aus einem kleinen, in der Mitte ein isoliertes Zwischenstück besitzendes Wägelchen mit vier Rillenrollen, die auf den zwei, mit beiden Polen der stromliefernden Zentrale verbundenen Leitungsdrähten liefen und so die Stromabnahme besorgten, de zwei Räder dienten zur Stromabnahme für einen Pol. Seitliche Laschen und Bögen schützten das Wägelchen vor Entgleisung, das überdies durch ein kugelförmiges Pendelgewicht, das mittels eines Hebels gelenkig angehängt war, im Gleichgewicht gehalten wurde. Das LoHNER-STOLLSche Verkehrssystem fand weitgehende Verbreitung und hat sich lange, z. B. in Wien (Pötzleinsdorf—Salmannsdorf) bis 1939 erhalten. Löhner konnte dafür nicht nur die Fahrzeuge in allen ihren Teilen, sondern auch die elektrische Streckenausrüstung in seinem Werk herstellen. Im übrigen fand der Wagenbau, der weitestgehend auf den Nutzwagen ausgedehnt wurde, seine Fortsetzung und konnte durch den Karosseriebau für Automobile ergänzt werden. Wenn Löhner derart den Automobilbau als solchen aufgab oder richtiger gesagt, aufgeben mußte, weil er keine fremde Beteiligung an seinem Unternehmen wünschte, und sich dabei auf die Rolle der Hilfsindustrie beschränkte, so ist sein großes Verdienst um die Entwicklung des Automobilismus in dessen Frühzeit in Österreich festzuhalten.
Die zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts einsetzende Entwicklung des Flugwesens, schwerer als die Luft, die bald nach der Jahrhundertwende entscheidende Ergebnisse zeitigte, wurde von Löhner mit Aufmerksamkeit verfolgt. Er sah im Flugwesen ein Gebiet, auf dem er sich nützlich für sein Unternehmen, aber auch für die weitere Entwicklung dieses neuen Zweiges der Verkehrstechnik einschalten konnte und traf die erforderlichen Maßnahmen, dies zu tun. Einen wertvollen Helfer für diese Bestrebungen hatte er in seinem technischen Mitarbeiter und Betriebsleiter des Werkes Floridsdorf, Karl Paulal; einen ausgezeichneten praktischen Berater fand er in dem österreichischen Fliegeroffizier Rittmeister Hans von Umlauff. Paulal, der kein graduierter Ingenieur war, aber eine außergewöhnliche technische Begabung besaß, hatte sich schon unter Ferdinand Porsche ausgezeichnet bewährt®. Wie er imstande gewesen war,
6 FERDINAND Porsche war 1906 aus dem Lolinerschen Unternehmer ausgeschieden, um bei den damals neu gegründeten Daimler Motorenwerken in Wiener Neustadt als deren technischer Direktor sein erwähltes Sondergebiet betreuen zu können.
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