Aufsatz 
Lohner - vom Wagnergewerbe zur Großindustrie / von Viktor Schützenhofer
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Löhner vom Wagnergewerbe zur Großindustrie.

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sich im Automobilbau ein für ihn damals neues Gebiet rasch einzuarbeiten, so erwies er sich auch auf dem ihm gleich neuen Gebiet des Flugzeugbaues als gewandter, instinktiv die jeweils richtige Lösung findender Konstrukteur. In der Verwirklichung seines Vorhabens, den Bau von Motorflugzeugen aufzunehmen, ging Löhner systematisch vor. Er begann 1909 mit der Herstellung eines Doppel­decker-Rodelgleitflugzeuges, das sich bei den im Winter 1909/10 von Rittmeister von Umlauff auf verschneiten Wiesenabhängen vorgenommenen Erprobungen als besonders stabil und gut gleitfähig erwies. Der Apparat gewann bei der Semmeringkonkurrenz 1910 drei Preise, darunter einen für den längsten freien Flug (170 m). Noch im gleichen Jahr konstruierte Paulal sein erstes Motor-

Bild 8. Lohner-Pfeüfliegergescliwader.

(Aus:Die Wegbereiter der österr.-ungar. Luftfahrt, S. 21.)

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flugzeug, einen Doppeldecker mit einem 40 PS Anzanimotor. Er legte dabei Motor und Propeller vor die Tragflächen, was bei Doppeldeckern neu war und nicht nur von ihm für seine künftigen Flugzeugbauten mit Ausnahme der Wasserflugzeuge beibehalten, sondern auch der guten Bewährung wegen von anderen über­nommen wurde. Es folgten 2 Eindecker und 2 Doppeldecker, von denen der eine mit 2 Motoren, und zwar einem für eine Zugschraube und einem für eine Treib­schraube, ausgerüstet war. Die Erfolge Löhners auf dem Gebiet des Flugzeug­baues veranlaßten die österreichisch-ungarische Heeresleitung, ihm den Bau von 5 Flugzeugen der Type ETRiCH-Taube (nach dem Erbauer Igo Etrich benannter Eindecker) und bald darauf w r eitere 31 gleichartige Flugzeuge in Auftrag zu geben. Die dadurch notwendig gewordene große Flugzeug-Montagehalle ist im Werk Floridsdorf noch 1910 fertiggestellt worden. Inzwischen hatte Paulal die Kon­struktionspläne für den Bau eines großen Doppeldeckers entworfen, dessen Aus­führung durch die Zusage der Daimler-Motorenwerke Wiener Neustadt bezüglich Lieferung der erforderlichen Motoren vorerst 65 und unmittelbar darauf 90 und

Technikgeschichte, 12. Heft.

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