Aufsatz 
Lohner - vom Wagnergewerbe zur Großindustrie / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
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Viktor Schützenhofer

120 PS möglich wurde. Die Neukonstruktion erhielt die BezeichnungLohner- Pfeilflieger. Die Pfeilform für Flugzeuge ist zwar von dem englischen Leutnant Dunne bereits früher und später von anderen wieder angewandt worden, der Erfolg des Lohner-Apparates große Stabilität, hervorragend gutes Steig- und Gleitvermögen war aber auf die besondere Anordnung der reichlich bemessenen Tragflächen, des Motors und des Propellers, des Höhen- und Seitensteuers und nicht zuletzt auf die Güte der Propeller zurückzuführen. Die von Paulal bei Loiiner ausgeführten Propeller hatten in kürzester Zeit Weltruf erlangt. Der Lohner-Pfeilflieger wurde in seiner Bauart den sich ergebenden Sonderzwecken angepaßt mit Motoren verschiedenster Provenienz und Leistung schließlich bis zu 350 PS und vereinzelt sogar darüber ausgerüstet und sowohl als Land- wie auch als Wasserflugzeug (Flugboot), als letzteres erstmalig bereits 1911 über Auftrag der österreichisch-ungarischen Marineleitung gebaut. Das Lohner-Flug- boot, das allmählich zum Großflugboot entwickelt und fast ausschließlich mit Motoren der österreichischen Daimler-Werke ausgestattet war, bildete im ersten Weltkrieg die Hauptausrüstung der österreichischen Marine.

Bei der kurzen Zeit, die verstrichen war, seit das LoHNERSche Unternehmen den Flugzeugbau aufgenommen hatte, sind die in den Jahren 1911 und 1912 mit LoHNERSchen Apparaten erzielten Rekorde besonders bemerkenswert.

lin Wettflug vom 30. April 1911 Wiener NeustadtÖdenburgWiener Neu­stadt (Gesamtdistanz 64 km) erzielte ein Lohner-Pfeilflieger (Pilot Rittmeister v. Umlauff) gegen zwei gleichstarke Maschinen die Bestzeit von 41 Min. 5 Sek. Im Wettflug vom 22. und 24. Juni 1911 WienBudapestWien (Distanz 220 4- 4 - 220 km) war ein Lohner-Pfeilflieger (wieder Pilot Rittmeister v. Umlauff) das einzige Flugzeug, das den Flug zur Gänze, und zwar in der Zeit von 2 St. 21 Min. 49 Sek. und 2 St. 22 Min. 49 Sek. durchführte. In dem zwischen 9. und 11. Juni 1912 stattgefundenen Wettflug BerlinWien (Pilot Oblt. v. Blaschke) wurde der Lohner-Pfeilflieger bei einer Beteiligung von 60 Konkurrenten Zweiter. Im österreichischen Flugmeeting WienAspern (23. bis 30. Juni 1912) gelang es Oblt. v. Blaschke mit einem Lohner-Pfeilflieger die bis dahin geltenden Höhen­weltrekorde mit zwei Passagieren durch die Höhenleistung von 3580 m und mit einem Passagier durch eine solche von 4360 m zu überbieten. In der 1913 in Wien- Aspern abgehaltenen zweiten Internationalen Flugwoche war es am ersten Flugtag (15. Juni) dem französischen Flieger Edmond Perreyon gelungen, dem Lohner-Pfeilflieger den bis dahin gehaltenen Höhenweltrekord mit zwei Personen durch eine Höhenleistung von 4540 m zu entreißen. Am zweiten Flug­tag (16. Juni) gewann der österreichische Meisterpilot Karl Illner durch eine Höhenleistung* von 4930 m dem Lohner-Pfeilflieger den Höhenweltrekord wieder zurück.

Zu Kriegsbeginn wurde die Leistungsfähigkeit der Floridsdorfer Fabriksanlage durch Erbauung einer zweiten großen Flugzeugmontagehalle, sowie einer neu­zeitlichen Holztrocknungsanlage wesentlich erhöht und das Werk durch Ver­größerung der eigenen Licht- und Kraftanlage von der Stromversorgung durch die Stadtzentrale unabhängig gemacht. Vom Floridsdorfer Fabriksareal, das ein Ausmaß von 38000 qm aufwies, waren damit 18500 qm mit 50 Objekten bebaut.